Die Wahrheit über den 9. Spieltag

Zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit waren aus München vor dem Spiel gegen Hamburg moderate Töne zu vernehmen, ja man redete sich das torlose Remis auch noch schön, indem man auf die beiden vorher gewonnenen Spiele gegen Hannover und Cluj hinwies. Wenn man bedenkt, daß Cluj quasi alle Tore beim 3:2 für die  Bayern selber geschossen hat, kann Rummenigge in der Tat froh sein, einen Punkt beim HSV geholt zu haben, vor allem, wenn man die Chance bedenkt, die Pitroipa allein vor dem Tor verbaselt hat. Und Hoeneß verwies auf die verletzten Stammspieler, womit er natürlich recht hat, aber auch die Ersatzspieler sind alle in irgendwelchen Nationalmannschaften tätig. Weil sie spielerisch durchhängen, versuchen sie es auf andere Weise, die Konkurrenz zu verunsichern. Vor der 2:0-Pleite in Dortmund meldeten die Bayern Interesse an Sahin an, der Ende der Saison für sechs Millionen gehen könnte, was nicht nur für die Bayern ein Schnäppchen wäre. Dabei ginge es nur darum, Sahin aus dem Spiel zu nehmen und die Konkurrenz zu schwächen, denn ob er bei den Bayern tatsächlich zum Stammpersonal zählen würde, stünde nicht im vornherein fest. Solange Bayern aber auf solche Tricks angewiesen ist und ansonsten versucht, den Abstand zur Spitze nicht noch größer werden zu lassen, solange läßt sich ganz gut damit leben und solange kann man eine Saison genießen, die nicht von den Bayern dominiert wird. Genießen kann man auch das Herumrödeln der Schalker, die in Frankfurt Glück hatten, nicht unter die Räder zu  geraten, was nur der Unfähigkeit des Ex-Schalkers Altintop zuzuschreiben war, der selbst einen Meter vor dem freien Tor es noch fertig brachte, übers Gehäuse zu schießen. Magath muß langsam zugeben, daß ihm schleierhaft ist, wie es zu den seltsamen Leistungsschwankungen kommt, denn in der 2. Halbzeit begaben sich die Schalker kein einziges Mal vor das Tor der Eintracht, jedenfalls nicht, um darauf zu schießen. Aber nach dem Auswechseln fast einer kompletten Mannschaft war auch nichts anderes zu erwarten. Und jetzt befindet sich der Fleischer und Schalke-Vorstand Tönnies in der Zwickmühle, weil er nicht weiß, wie er Magath dem Anhang erklären soll, weil doch auf Schalke »Emotion pur« vorherrsche, aber Magath es dennoch verstünde, »die Leute mitzunehmen, ein Stück weit«. Spannend wird es allemal, wohin Magath die Leute ein Stück weit mitnehmen wird und ob es den Leuten dort gefallen wird. Auch Stefan Kuntz hatte eine originelle Begründung, warum Kaiserslautern schon wieder verloren hatte, diesmal in Freiburg: »Nach hinten fehlt ein kleines Stück, und das findet im Kopf statt.« Als Spieler beschwerte sich Kuntz häufiger darüber, daß einige Mitspieler mal wieder »den Schwanz eingezogen« hätten, für Kuntz quasi das entscheidende Spielgerät. Heute fehlt auch noch ein Stück davon nach hinten, weshalb man sich im Verein mal langsam über die merkwürdige Anatomie des Fußballs in der pfälzischen Region Gedanken machen sollte. Und was war noch schön an diesem Spieltag? Genau, die 2:1-Pleite der Wolfsburger beim Club. Und zwar einfach, um zu beobachten, wie das Gesicht des vor Selbstgefälligkeit triefenden Hoeneß immer länger wird.