Die Wahrheit über den 8. Spieltag

Langsam wird mir die Sache unheimlich. Nach dem sensationellen Sieg gegen die Bayern, die irgendwie zu glauben schienen, daß Ballbesitz allein ausreicht, um ein Spiel zu gewinnen, haben die Dortmunder jetzt sogar die Kölner in die Knie gezwungen, was weit schwieriger war, weil die Helau-Truppe alles daran setzte zu gewinnen, und das war nicht wenig. Sie hatte jedenfalls mehr zu bieten als die Bayern. Außerdem ist es immer irgendein mittelmäßiger Gegner, über den eine Mannschaft im Höhenflug stolpert. Aber Dortmund ließ das nicht zu. Mißtrauisch beäugte ich die knappe 1:0-Führung und war zutiefst deprimiert, als dem Karnevalsdeppen »Poldi« der Ball vor die Füße sprang und ihm ein Glückstreffer gelang. Und das in der 82. Minute. Danach war großes Kino: Podolski grätschte Sahin in die Beine als der Ball längst weg war. Und als sich Sahin beschwerte, zeigte Podolski die 3:0-Pleite der Türken gegen Dtschl an. Gibt es für einen solchen Einfaltspinsel eine schönere Strafe als das 2:1 in der allerletzten Nachspielminute durch Sahin? Und als Sahin direkt vor der Nase Podolskis torjubelnd vorbeiruschte, da war der Rachedurst gestillt. Ich bestellte mir einen Jameson auf Eis und ließ ihn auf Samtpfötchen die Kehle hinunterrollen. Ich trank auf Sahin, den wundersamen Ballverteiler. Und auf Barrios, der seinem Spitznamen Panther alle Ehre macht. Allein der Spielzug in der allerletzten Minute war brillant und zeugte von großer fußballerischer Kunst. Die Zeiten, als man Rosi nachtrauern mußte, sind endgültig vorbei. Und am beeindruckendsten ist, daß die Dortmunder nach dem Ausgleich alles daran setzten, das Spiel irgendwie noch zu drehen und dabei kaltblütig blieben wie Profikiller. Daneben sehen alle anderen Spiele ziemlich zusammengegurkt aus. Bayern hat mal wieder ein Spiel gewonnen gegen harmlose Hannoveraner. Das mit Sicherheit unwichtigste Spiel an diesem Tag, aber da Bayern den Aufmacher in der BamS gekauft hat, wird diesem Spiel eine komische Aufmerksamkeit zuteil. Viel interessanter ist da doch der Abstiegsgipfel zwischen Schalke und Stuttgart, das erfreulicherweise 2:2 endete, denn dieses Ergebnis nützt keiner Mannschaft etwas, allerdings muß man konzedieren, daß beide Mannschaften gar nicht so schlecht spielten, und wenn ihnen das Wasser nicht bis zum Hals stehen würde, hätten sie vermutlich die Partie gewonnen. Mainz hat es jetzt doch erwischt. Gegen den HSV, und zwar durch einen grandiosen Abwehrfehler in allerletzter Minute. Es gibt sympathischere Mannschaften, gegen die Mainz hätte verlieren können. Jetzt ist Dortmund auf Platz 1. Seit 7 Jahren wieder mal. Und zehn Punkte vor den Bayern. Die lassen sich auch wieder verspielen, aber bis jetzt deutet nichts darauf hin, außer die statistische Wahrscheinlichkeit, derzufolge keine Mannschaft auf derartig hohem Niveau eine ganze Saison durchspielt. Ein Durchhänger kommt immer, aber irgendwie kann man sich den nicht wirklich vorstellen. Drei Bewährungsproben stehen jetzt an: Paris St. Germain, Hoffenheim und dann das Spitzenpiel gegen Mainz. Der Fußball hat schon eine eigene und ganz und gar eigenartige Geographie. Ich meine: Waren Sie schon mal in Hoffenheim? Warum auch?