Die Wahrheit über den 1. Spieltag der Bundesliga

Endlich fängt der Fußball wieder an, seufz. Das jedenfalls kriegt man überall zu hören, und in der BamS wird Fußball jetzt sogar als familientherapeutisch wertvolle Sache gefeiert. Ein Dr. Küch. Psych. meint, daß sich Paare und Familien, die das komplette Wochenende zusammen sind, nach einem Tag bereits auf die Nerven gehen. Fußball als Flucht vor der Ehefrau würde zumindest erklären, warum immer mehr Leute ins Stadion gehen, oder in eine Kneipe mit Arena-Anschluß. Demzufolge muß es in Dortmund um Paarverhältnisse extrem schlecht stehen, denn der BVB hat gerade wieder einen neuen Rekord aufgestellt mit 50.500 verkauften Dauerkarten. Da geben die Bayern 70 Millionen für ein komplett neues Starensemble aus, aber in Dortmund wird weiter der Dauerkartenrekord aufgestellt. Der letzte Rekord, der in Dortmund in den letzten Jahren gebrochen wurde, und das, obwohl die letzte Saison so grauenhaft war. Zweimal hintereinander zu gewinnen fiel den Dortmundern schon sehr schwer. Hier reichen ebenso unbekannte wie unaussprechliche Namen wie Blaszcykowski aus, um einen Run auszulösen, der sogar die Verantwortlichen des Vereins überraschte. Immerhin gibt es beim Revierverein da eine gewisse Tradition, denn schon immer spielten da viele Leute, die mit »kowski« endeten. Damals, als noch Kohle abgebaut und gegessen wurde und mein Jugendidol Tilkowski mit selbstgestrickten Wollhandschuhe aufs Spielfeld lief. Leider wurden auch solche kroatischen Treter und Oldies wie Kovac verpflichtet, so daß Dortmund jetzt die älteste Innenverteidigung der Liga hat. Aber der alte Fuchs, Herr Jupp, tröstete mich über den Einkauf des Unsympathen Kovac hinweg mit den Worten: »Du mußt ihn ja nicht lieben, Hauptsache er spielt gut.« Auch Mladen Petric kommt aus dieser Gegend, und wird jetzt gefeiert als der »Beckham der Bundesliga«. Beckhams Glamour hat er jedenfalls nicht, und spielerisch weiß man nicht so recht, ob man froh oder traurig über den Vergleich sein soll. Wie auch immer. In der Liga hat man sich bereits auf den neuen Meister in seltener Einmütigkeit geeinigt, weil jeder weiß, daß Geld eben doch den Meister macht. Nicht unbedingt, wenn man es sinnlos verballert, wie Dortmund es gemacht hat (auch in dieser Hinsicht ist der BVB Spitzenreiter). Aber wie es aussieht, hat Bayern in gute Spieler investiert. Ribery, Luca Toni, Klose, Ze Roberto und Jansen. Mit denen müßte eine Meisterschaft gewinnen lassen. Aufsteiger Rostock ist zwar höchstens ein Sparringspartner gewesen, aber auch die können manchmal unangenehm werden, wie die Pokalschlacht eine Woche zuvor zeigte. Und es werden auch Durchhänger kommen, aber Bayern ist selbst mit seiner 2. Mannschaft besser besetzt als beispielsweise Dortmund mit seiner 1. Nach dem starken Auftritt der Stuttgarter gegen Schalke, als die Blauweißen nur mit Glück einen Punkt ergatterten, würde auch der VfB zum Kreis der Meisterschaftsaspiranten gehören, aber wahrscheinlicher ist es, daß es ihnen ergehen wird wie dem HSV, als der einmal in der Champions-League reinschnuppern durfte und anschließend mit dem Abstieg zu kämpfen hatte. Und Schalke mit seiner Abgebrühtheit, die sie in Stuttgart zeigten, wird vielleicht wieder 3. oder 5., aber eben nicht Meister. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, daß die Liga ein abgekartetes Spiel ist. Bayern wird Meister und drei oder vier Mannschaften dürfen sich um die internationalen Plätze streiten. Spannend wird es nur im unteren Tabellendrittel. Unterhaltsam könnte auch die Sache mit Magath in Wolfsburg werden, aber sorry… ich muß jetzt los nach Dortmund zum Spiel.