Die Wahrheit über den 7. Spieltag

Der Traum für die Mainzer geht weiter. Für die meisten war Mainz nur eine dieser dämlichen Fasnachtstädte, die einmal im Jahr mit merkwürdigen Ausrufen wie Alaf und Helau von sich reden machen. Das ist nicht viel und nicht gerade weltbewegend, aber es ist eben alles, was einem zu Mainz einfällt, wenn man auf der Autobahn an der Ausfahrt Mainz vorbeifährt. Jetzt hat Mainz auch noch Fußball. Und zwar richtig guten und sensationellen Fußball, über den die Fachwelt staunt, denn Mainz hatte niemand auf der Rechnung, weil Mainz bestenfalls als Ausbildungsstätte für talentierte Fußballer gilt. Jetzt hat Mainz alle sieben Spiele in Folge gewonnen und hat damit den Rekord von Bayern und Kaiserslautern eingestellt. Als Bayern und Kaiserslautern das schafften, wurde am Ende Dortmund Meister. Und insofern ist das ein gutes Omen. Und tatsächlich sind die Dortmunder die einzigen in der Liga, die einen ähnlich mitreißenden Stil spielen wie die Mainzer. Nur sind die Dortmunder besser, aber um das zu beweisen, müßten die beiden Mannschaften in dieser Form aufeinandertreffen. Tun sie leider nicht. Allerdings hat Dortmund schon sein Waterloo hinter sich, das Mainz noch vor sich hat, als sie letzten Donnerstag den FC Sevilla an die Wand spielten und dennoch verloren, weil sie gegen einen voreingenommenen Schiedsrichter spielen mußten und Chancen verdattelten, mit denen andere Mannschaften drei Spiele für sich entschieden hätten. Während Klopp auf »Never change a winning team« setzt, rotiert Tuchel bei jedem Gegner neu. Ob die Siege wirklich die Folge dieser Taktik sind, weiß niemand wirklich, in jedem Fall aber trägt der Erfolg und die Begeisterung dazu bei, daß nun auch Hoffenheim mit 4:2 bezwungen wurde und man sich langsam zu fragen beginnt, wer diese Mainzer stoppen wird. Wahrscheinlich irgendein mittelmäßiger Gegner wie Köln, wenn sie gegen die nicht schon gewonnen hätten. Dann ist es eben der HSV, der sich mit einem glücklichen Heimsieg gegen Kaiserslautern gerade noch mal aus der Krise geschossen hat. Das ist Schalke nicht gelungen. Im Duell der Altmeister lieferten die Schalker laut Magath ihr schlechtestes Spiel dieser Saison ab und haben nun mal gerade vier Pünktchen angehäuft, womit sie nunmehr 17 Punkte hinter Mainz liegen, was selbst für diese frühe Saison ein bißchen viel ist, um noch vorne mitzumischen. Es sieht so aus, als ob Magath schon die CL gewinnen müßte, um nächste Saison wieder international mitmachen zu dürfen. Und auch Bremen droht der Absturz. Die Verletzung einiger Leistungsträger und der Verkauf Özils an Real Madrid, wo Özil auch noch nicht richtig angekommen ist, macht den Bremern schwer zu schaffen. Die Mannschaft ist allerdings auch schlicht überaltert und zu satt. An diesem Problem laborieren auch die Bayern, die ohne neue Spieler glaubten auszukommen. Jetzt müssen sie im Winter nachlegen, aber man kann jetzt schon für diese Saison getrost eine Prognose wagen, und die heißt: Bayern jedenfalls wird nicht Meister. Und das ist doch schon mal etwas, worauf man sich freuen kann.