Der Buchmessenreport Teil 1

In der Süddeutschen Zeitung las ich in der bereits schon am Dienstag erscheinenden Literaturbeilage zur Buchmesse eine große Besprechung des neuen Buches von Roger Willemsen über »Die Enden der Welt«. Das spannendste an der ganzen Rezension war das Fazit: »Roger Willemsen hat ein gewichtiges Buch geschrieben, aber es ist ein Buch nicht für jedermann.« Da war ich dann doch schwer beeindruckt von Herrn Müller, denn das muß erstmal hingeschrieben werden. Ich könnte mir vorstellen, daß Roger Willemsen not amused war, denn wer will schon über sein Buch etwas aus dem Phrasenkatalog für Ikea-Kunden lesen. An der Rezensionskultur kann man erkennen, was die Rezensenten von Literatur halten. Nicht viel. Was nicht weiter schlimm wäre, aber ein bißchen mehr Mühe hätte sich Burkhard Müller schon geben können, um seine Verachtung für Literatur und den Literaturbetrieb auszudrücken. Aber außer mir interessiert das sowieso niemanden. Messethema ist Marilyn Monroes Rezept für eine Truthahnfüllung, die in fast allen Messebeilagen breitgetreten wird. Also jetzt nicht die Truthahnfüllung, aber die Tagebucheintragungen von Marilyn, der von Verena Lueken bescheinigt wird, eine »erhebliche Fähigkeit zur Selbstreflexion« zu besitzen. Da hätte sich die Monroe aber gefreut, denn diese Fähigkeit geht den meisten Rezensenten irgendwie ein bißchen ab. In diese Lektüre vertieft, weil es am frühen Morgen auf der Messe nichts Besseres zu tun gibt, war ich nicht auf Sascha IM »Arschloch« Anderson vorbereitet. Ich dachte, die Fresse kennst du doch, und tatsächlich, er war es. Die Frage war nur, was wollte er von mir? Er wollte die Telefonnummer und Adresse meines Autors Carl Wiemer, der sich in einem Buch über die Familie Walser lustig gemacht hatte. In meinem zerfledderten Telefonheft fehlte die Nummer, weshalb ich ihm nicht dienlich sein konnte. Warum er die überhaupt wollte, fragte ich. Der Mann würde seine Frau »stalken«. Hä? Wer denn seine Frau sei? Alissa Walser. Sascha Anderson ist also mit Alissa Walser verheiratet, wenn ich hier mal mit ein bißchen Klatsch aufwarten darf. Angeblich würde Carl Wiemer auf Lesungen von Alissa Walser Flugblätter verteilen wie auf Demos. Immerhin ist Alissa Walser, die Frau von Sascha Anderson, eine Person des öffentlichen Lebens und wird mit ihrem Buch durch die Literaturhäuser gereicht. Soll sie doch froh sein, daß sich jemand so rührend um sie kümmert. Ich finde, Sascha Anderson sollte vielmehr Herrn Hage vom Spiegel eine runterhauen, denn der begrapschte Alissa Walser ziemlich schlüpfrig auf einer ganzen Seite.