Die Wahrheit über den 2. Spieltag

»Wenn man nur die beiden ersten Spiele berücksichtigt, dann kann man von einem Fehlstart sprechen«, sagte Magath. Vor allem, wenn man so große Ziele verfolgt wie Schalke, sollte man seine Heimspiele gegen potentielle Abstiegskandidaten wie Hannover gewinnen, aber stattdessen hätte sich Schalke nicht beschweren können, wenn Hannover noch zwei Tore mehr gemacht hätte. Die Chancen dazu hatte 96. Sogleich wurde denn auch die Saison 1987/88 beschworen, als Schalke ebenfalls gegen Hamburg und Hannover die ersten beiden Spiele verlor und dann abstieg. Das wird Schalke zwar leider nicht, aber es war klar, daß nach der völligen Umkrempelung des Kaders die Ruhrpottler so schnell nicht wieder in Tritt kommen. Dabei ist unklar, was Magath zu diesem gigantischen Experiment antreibt, eine funktionierende Viererkette völlig umzugestalten, was niemals funktionieren kann, und sich dann zu wundern, wenn Metzelder und Matip nicht harmonieren, wenn der bei Leverkusen ausgemusterte Altprofi Hans Sarpei überfordert ist und wenn Raùl mit 29 Ballkontakten offensichtlich keine Bindung zum Spiel hat. Aber der nächste Einkauf mit Huntelaar für 13 Millionen steht schon vor der Tür, womit dann eine eher zufällig zusammengewürfelte Mannschaft auf dem Platz steht, die nur eine Anhäufung mehr oder weniger klangvoller Namen ist, aber kein Team. Eigentlich wollte Magath Schalke für die Champions-League aufrüsten, aber ich glaube, die ganze Sache ist ihm aus dem Ruder gelaufen und es würde mich wundern, wenn Magath die Saison als Trainer überlebt, es sei denn er übernimmt auch noch den Posten des Vorstands Tönnies, des Platzwarts und des Aufsichtsrats. Oder hat er die schon? Diego ist wieder zurück. In Wolfsburg. Aus Turin von Juve. Das nenne ich einen bilderbuchmäßigen Abstieg. Das machen eigentlich sonst nur Fußballer, die ein Alkoholproblem haben und die dann jeden Verein nehmen müssen, den sie kriegen können. Wie damals Paul Gascoigne, aber Wolfsburg wäre selbst ihm zu hart gewesen, denn um sich Wolfsburg einigermaßen erträglich zu machen, braucht man mehr Alkohol, als einem gut tut. Nur eine halbe Stunde spielte Diego. Das reichte, um 3:0 gegen Mainz in Führung zu gehen. Dann hörte er auf, und seine Kollegen mit ihm, und am Ende hatte Wolfsburg 4:3 verloren. Immerhin ein Spiel von großem Unterhaltungswert, den man in Wolfsburg sonst nicht allzu oft geboten bekommt. Damit hat auch VW Wolfsburg einen Fehlstart hingelegt, aber das kommt eben davon, wenn ein Konkurrenz-Produkt wie McLaren verpflichtet und eine Pflaume wie Dieter Hoeneß, der nach der Niederlage von einem »ganz neuen Gefühl« sprach, das er doch eigentlich noch von Hertha ganz gut kennen müßte. Auch Bayern verlor, und das gegen den Aufsteiger Kaiserslautern, die außer Kampf nun wirklich nichts drauf haben. Aber gegen Bayern reichte es an diesem Tag aus, weil die Bayern in den entscheidenden Szenen patzten und ausnahmsweise mal Pech hatten, und das alles muß schon zusammenkommen, um gegen eine Mannschaft zu verlieren, die vor allem Furchen im Rasen hinterläßt, aber keinen besonderen Eindruck.