Die Wahrheit über den 1. Spieltag

»Gigantentreffen in Hamburg« jubilierte Bild, weil van Nistelrooy und Raúl in Hamburg aufeinandertrafen. Man kann sich das Elend auch schönreden. Zwar gehören die beiden ehemaligen Real-Spieler immer noch zu den großen Spielern, aber ihre Karriere als Fußballer neigt sich dem Ende zu. In Deutschland dürfen sie noch ein wenig Glanz verbreiten, weil man hier dazu neigt, in ausländischen Stars das non plus ultra hineinzuprojizieren, hier wird die Sehnsucht nach dem Außergewöhnlichen, dem Bizarren, dem Unwahrscheinlichen, dem Sensationellen genährt, und weil das alles natürlich irgendwann enttäuscht wird, weil die Versprechen solcher Projektionen immer unerfüllt bleiben werden, läßt sich bereits die Häme erahnen, mit denen die »Giganten« überschüttet werden, die manchmal eben auch einen gebrauchten Tag erwischen, nicht ins Spielkonzept passen oder die deutsche Spielweise nicht verstehen. Die Deutschen hatten mit einer jungen Mannschaft bei der WM Erfolg (abgesehen vom Glück, daß Ballack rechtzeitig verletzt wurde). Mourinho ist klug genug, sich mit Özil und Khedira die besten zu holen, während Raúl aussortiert wurde und bei Schalke anheuerte, weil Magath gerade alles zusammenkauft, was nicht niet- und nagelfest ist. Das hört sich vielleicht pejorativ an, aber ich finde das gut, weil die Sehnsucht nach Größe und Glanz schließlich das einzige ist, was die Fans bei der Stange hält, ihnen eine gewisse Genugtuung gegenüber anderen Vereinen verschafft, deren größte Anschaffung ein Mann namens Lewandowsky ist, und Polen verbreiten nun mal kein Flair in Deutschland. Und dennoch, und darin bestehen die Unwägbarkeiten des fußballerischen Drumherums, verkaufte Dortmund über 51000 Dauerkarten, weit mehr als alle anderen Vereine. Klar, man macht sich Hoffnungen wie alle anderen Fans eben auch, aber Lewandowsky oder der aus der japanischen Zweitliga kommende und als »Schnäppchen« bezeichnete Kagawa haben nicht das Faszinationspotential, wie es Raúl oder die Dortmunder Einkäufe in den 90er Jahren hatten. Klüger ist es sicherlich, auf eine junge Mannschaft zu setzen, aber der Fußball wird dadurch noch kampfbetonter und zu einer Frage der Ausdauer und Fitness. Aber egal, wie sehr es gelingt, Mannschaften wie eine Maschine funktionieren zu lassen, der große Rest heißt Psyche, und die ist nicht wirklich steuerbar und sorgt immer wieder für Überraschungen. Warum z.B. ist Bremen in Hoffenheim mit 4:1 untergegangen? Weil sie sich auf die Qualifikationsspiele der Champions League konzentrieren? Weil sie sowieso immer das erste Bundesligaspiel verlieren, wie Tim Wiese vermutet? Weil der Weggang von Özil nicht kompensiert wurde? Nichts davon ist eine schlüssige Erklärung, genauso wenig wie die drei Tore St. Paulis in nur sechs Minuten in Freiburg nach einem 1:0-Rückstand. Dabei hatten sich die Paulianer eine Woche vorher im Pokal gegen einen Amateurverein blamiert. Und auch nicht schlecht: Der Transferspitzenreiter Wolfsburg vergeigt gegen das Transferschlußlicht Bayern. Die Konkurrenz um die ersten fünf Plätze jedenfalls ist groß. Neun Mannschaften balgen sich darum.