Die Wahrheit über den 30. Spieltag

Ich glaube, ich muß widerrufen. Warum? Weil jetzt auch Effenberg die Entlassung Zorcs fordert und behauptet, niemand könne aus dieser Mannschaft noch etwas machen. Nein, ich muß doch nicht widerrufen, denn das Oberarschloch des deutschen Fußballs hat eine bildzeitungskompatible gewinnfixierte Einstellung, die den Tod des schönen Fußballs bedeutet, und das ist der grundlegende Unterschied zwischen einem Fan und einem »Hauptsache, die Kasse stimmt«-Typen, für den nur zählt, »was hinten rauskommt«. Das Problem mit dem BVB besteht aber nicht darin, daß er nur auf Platz 13 steht, sondern daß der schöne Fußball nur in wenigen Momenten aufblitzte. Diese blödsinnige Ergebnisorientiertheit, die sich bei Bild darin zeigt, daß die schlechteren Noten immer der Verlierer bekommt, nicht aber der spielerisch Bessere, teilt auch Effenberg. Daß er deshalb zu Schlußfolgerungen kommt, die auch ich schon mal geäußert habe, ist deshalb noch kein Grund, es sich anders zu überlegen.Genau besehen hat sich BVB-Trainer Thomas Doll bei seinem Wutausbruch am Mittwoch genau gegen diese Einstellung gewandt. Leider hatte er einfach keine Argumente, und deshalb wirkte sein unkontrollierter Wortschwall peinlich. Es ließ sich inhaltlich wenig herausdestillieren, und die ständige Einforderung von »Respekt« gegenüber seiner Arbeit war ein bißchen wenig und ließ vor allem unberücksichtigt, daß die Information, er werde zum Saisonende entlassen, aus dem Verein kommt. Und schließlich waren seine Argumente auch deshalb inkonsistent, weil er das Erreichen des UEFA-Cups als großen Erfolg verkaufte. Er wüßte selber, daß man »ein paar Punkte zu wenig« auf dem Konto hätte, sagte Doll, aber was in Dortmund vermißt wird, ist eine Handschrift des Trainers, ein Konzept, ein Wille zum schönen Spiel, zu Kombinationen, schnellem Spiel, wie es für die Premier League stilprägend ist.Gegen Frankfurt spielten die Dortmunder genau fünf Minuten lang so, schossen den Ausgleich und hatten zwei 100prozentige. Auf 90 Minuten gesehen ein bißchen wenig, aber zumindest konnte man sehen, daß das Potential da ist, aber eben nur in Ausnahmefällen abgerufen wird. Und das ist das Problem des Trainers, der als Kumpeltyp zwar die Spieler auf seiner Seite hat, dem von diesen aber genau der nötige »Respekt« verweigert wird, den er von der Presse einfordert. Wenn Doll der Presse, die doch sowieso nur Käse schreibt, wie jeder weiß, eine solche Bedeutung zuschreibt, dann läßt sich daran ablesen, wie angeschlagen er wirklich ist, und deshalb kann man wahrscheinlich froh sein, daß der BVB mal wieder ein Pünktchen geholt hat. Immerhin waren die Schwarzgelben die bessere Mannschaft, was die Schalker nicht von sich behaupten konnten, die vom HSV an die Wand gespielt wurden, aber trotzdem 1:0 gewannen. Nürnberg gab ebenfalls trotz Überlegenheit und trotz einer 2:0-Führung das Heft gegen Bielefeld noch aus der Hand. Und am nächsten Samstag geht es dann nach Dortmund. Gegen den Club haben die Borussen die Gelegenheit, sich mal großzügig zu erweisen, denn die Nürnberger dürfen nicht absteigen, schon allein deshalb, weil Koller da spielt.