Die Wahrheit über den 32. Spieltag

Es war ein strahlender Sonnentag, als ob jemand den Himmel geputzt hätte, und es war ein grausames Spiel. Ein bißchen schlagen ja zwei Herzen in meiner Brust, wenn es gegen den Club geht, denn auch wenn ich es später nicht wahrhaben wollte, die Fan-Artikel und Fußballer-Bildchen, die meine Mutter aufbewahrt hat, beweisen es: Als Sechsjähriger waren meine Sympathien paritätisch zwischen dem BVB und dem Club geteilt. Würde also ausgerechnet der BVB den Club in die 2. Liga schicken? Oder umgekehrt, der Club den Dortmundern die Europa-League versalzen?

Beides wäre nicht schön. Allerdings könnte man das ganze auch positiv sehen, aber dazu verführte mich nicht einmal der blaue Himmel. Und je länger das Spiel dauerte, desto egaler wurde mir das auch, denn das Gekicke war eine extreme nervliche Belastung. Ständig lag irgendjemand verletzt am Boden, flog der Ball ins Nichts oder zum Gegner, und eine Ballstafette gelang nur, wenn man sich hintenherum den Ball zuschob. Dafür fielen erstaunlich viel Tore, denn am Ende stand es 3:2, und als den Nürnbergern in den 84. Minute noch der Anschlußtreffer gelang, durfte man sogar noch zehn Minuten zittern, denn die Dortmunder waren merkwürdig verunsichert. Da nützt es auch nichts, wenn sie diejenigen sind, die während eines Spiels von allen Mannschaften am meisten Kilometer abreißen.

Dann aber stellte ich fest, daß auch die anderen, die sich um den 3. Platz kloppen, alles andere als souverän auftraten. Bremen machte das erlösende 1:0 gegen Köln erst in der Nachspielzeit durch einen Elfer. Leverkusens 3:0 gegen Hannover hört sich zwar ziemlich eindeutig an, aber nur deshalb, weil der Schiedsrichter ein Herz für die Tablettenelf hatte und den Hannoveranern einen Elfer verweigerte und Hyypiä trotz seiner Verdienste um eine rote Karte auf dem Platz ließ. Nur Stuttgart kämpft sich mit einer beeindruckenden Serie weiter nach vorne. Zwar ging es nur gegen die gerade völlig auseinanderfallenden Bochumer, aber mit 37 Punkten führt der VfB die Rückrundentabelle an und es sieht nicht so aus, als ob sie noch Punkte liegen lassen würden.

Im Duell der beiden unsympathischsten Mannschaften der Liga hatte Schalke den Dusel drei Minuten vor Schluß. Damit ist Hertha so gut wie weg vom Fenster. Sie haben es in 15 sieglosen Heimspielen in Folge sogar geschafft, den bislang von Tasmania Berlin aufgestellten Rekord einzustellen. Glückwunsch Hertha!

Dabei war Hertha sogar die Mannschaft mit den besseren Chancen. Ein Remis wäre mir lieber gewesen, denn dann hätte Schalke nicht das Oberwasser, das sie jetzt haben, weil die Bayern in Gladbach nur ein 1:1 schafften. Da oben fast alle gewonnen haben und unten alle verloren, hat sich in der Tabelle nichts geändert. Die Entscheidung wurde vertagt. Dennoch schlichen die BVB-Fans nicht gerade euphorisch aus dem Intertank. Nur der gemütliche Dicke mit BVB-Leibchen und BVB-Fähnchen und leichtem Zonen-Akzent drehte sich in der Tür noch einmal um und sagte aufmunternd: »Na, drei Punkte geholt. Das ist doch die Hauptsache, wa?« Dabei wedelte er noch einmal mit seinem Fähnchen, stieg in einen nagelneuen Mercedes und entschwand in den klaren, sonnendurchfluteten Straßenschluchten.