Die Wahrheit über den 31. Spieltag

Zum ersten Mal kommt Magath aus der Reserve und kündigt Ansprüche auf die Meisterschale an, nachdem die Blauweißen gegen Gladbach 3:1 gewonnen haben. Aber Gladbach liegt gesichert im Mittelfeld, für die geht es nur noch um eine bella figura, aber die kann man sich gegen Schalke abschminken, denn da steht Destruktion und Taktik auf dem Programm, da muß man sich schon den Schalker Gepflogenheiten anpassen, um in einem trüben Spiel ein trübes Ergebnis zu erzielen. Magath wurde unterstützt vom Gelsenkirchener Dorfdeppen, der in den Notizblock von BamS lispelte: »Was der Trainer sagt, ist Gesetz.« Durch diese unappetitliche Unterwürfigkeit hofft Kuranyi von Löw begnadigt zu werden, dabei gibt es in Deutschland nicht wenige, die sich die deutschen Spiele in Südafrika nur aus diesem einzigen Grund, der Kuranyi heißt, nicht angucken. Und wenn Magath verkündet, Schalke wird Meister, dann würde es Kuranyi wahrscheinlich gar nicht merken, wenn sie nur zweiter werden.

Dabei steht Magaths Wunsch ein viel älteres und quasi eingesessenes Gesetz entgegen: »Nur anschauen, nicht anfassen.« Verspielt hat Schalke die Meisterschaft gegen Hannover 96, gegen die man 4:2 verlor, während für die Bayern die Niedersachsen gerade mal Sparringspartner waren. 7:0 hieß es am Ende des Torfestivals. Und auch das Restprogramm (Gladbach, Bochum, Hertha) ist nicht so, daß man sich allzu große Hoffnungen machen könnte. Und Bayern ist nicht Schalke, die gegen solche Mannschaften auch mal untergehen. Schalke hingegen muß noch gegen Werder antreten, die Ambitionen auf den 3. Platz haben und die gerade von niemanden aufzuhalten sind, auch nicht von Wolfsburg, die mit 4:2 abgefertigt wurden. Frings, ebenfalls ein von Löw Aussortierter und in guter Form, übt sich wenigstens nicht in Arschkriecherei: »Daß Löw da war interessiert mich nicht. Daß es in der Nationalmannschaft nicht um Leistung geht, wissen doch alle.« Auch wenn diese Worte von Verbitterung geprägt sind, sie hören sich schon besser an als das »Ich bin zu allem bereit«-Gejaule und das »Bittebitte, nimm mich mit, ich bin auch ganz brav«-Geschluchze.

Und was machen eigentlich Leverkusen und Heynckes? Nun auch gegen Stuttgart verloren. Was für eine grandiose Serie. Ich bin beeindruckt. Einige Dinge wiederholen sich auf hartnäckige Weise. Dazu gehört, daß Leverkusen schön spielt, am Ende aber immer einknickt, und wie es aussieht, haben sie nicht nur die Meisterschaft vergeigt, sondern auch den Qualifikationsplatz für die CL verloren, es sei denn Bremen und Dortmund erbarmen sich ihrer, was beim BVB wahrscheinlich ist, bei Bremen weniger. Von einem ähnlichen deja vu wird gerade Labbadia heimgesucht. Wie schon in der letzten Saison bei Leverkusen, knickt er jetzt auch beim HSV in der Endphase dramatisch ein. Sogar gegen die auswärtsschwachen Mainzer hat man jetzt verloren, was die Niederlage des BVB in Mainz nicht schöner, aber verständlicher macht. Labbadia ist deprimiert und ratlos. Zwar mischen die Hamburger noch in der Europa League mit, aber es sieht nicht so aus, als würden sie in der augenblicklichen Form da etwas reißen können. Abgeschmiert auf Platz 7 steht es jedenfalls nicht mehr in ihrer Macht, sich zu qualifizieren. Nicht daß es wegen des Uwe-Seeler-Gedächtnis-Vereins schade wäre, aber Labbadia tut mir ein bißchen leid, denn er macht eigentlich einen netten Eindruck. Vielleicht sollte er sich an seinen eigenen Haaren aus der Depression ziehen und sich an einen seiner legendären Sprüche von früher erinnern: »Das wird alles viel zu sehr hochsterilisiert.«

Und wieder ging es um etwas bei den Dortmundern, und wieder wurden sie, wie schon früher, von der Versagensangst gepackt. Ein Grottenspiel, das man einfach nicht sehen möchte. Und irgendwie war es eigentlich schon vorher klar, auf was das ganze hinauslaufen würde, denn bei Hoffenheim als schlechteste Rückrundenmannschaft ging es nur darum, nicht zu verlieren, und durch Kampf und Krampf sich ins Spiel zu wühlen. Und Dortmund ließ mit Blick auf den möglichen Platz drei nervös geworden jeden Schwung, jede Emphase und Euphorie vermissen, die man glaubte, sie wäre durch Klopp wieder zurückgekehrt. Stattdessen ließ man sich durch das Gemurkse des Gegners anstecken. Dennoch hatten die Dortmunder Chancen, keine sonderlich hochkarätigen, aber sie machten zwei Tore daraus. Eines wurde ihnen aberkannt. Zu unrecht. Und daß dann in der vorletzten Minute der erste ernstzunehmende Angriff der Hoffenheimer zum Tor führte, paßte dann zu dem Spiel, genauso wie die Tatsache, daß der entscheidende Fehler, der dem Tor vorausging, von Hajnal begangen wurde, der für Sahin eingewechselt wurde, nachdem ihm von einem Hoffenheimer das Nasenbein zerstrümmert wurde. Das alles erschien mir im nachhinein sehr schlüssig. Ist es natürlich nicht, aber spätestens nach der Niederlage gegen Mainz, dem glücklichen Remis gegen Hertha und dem nunmehr zwar unglücklichen, aber auch wiederum nicht ganz unverdienten 1:1 gegen Hoffenheim, die seit der Winterpause ganze neun Punkte gemacht hatte, weiß man, daß Dortmund gerade mit dem scheinbar leichten Restprogramm (Nürnberg, Wolfsburg, Freiburg) Mühe haben wird, den sechsten Platz zu halten. Bremen und selbst Leverkusen, die Dortmund eine Einladung nach der anderen gegeben hatten, sie zu überholen, sind schon an den BVB vorbeigezogen. Stuttgart wird das beim nächsten Spieltag tun, denn Stuttgart eilt als beste Rückrundenmannschaft von einem Sieg zum nächsten und wird sich mit Sicherheit weder von Bochum, noch von Mainz oder Hoffenheim aufhalten lassen. Und auch wenn Wolfsburg bei noch neun zu vergebenden Punkten sieben Punkte hinter Dortmund liegt, hat Wolfsburg im Augenblick die besseren Aktien. Vielleicht meint jemand, ich würde ein bißchen arg unken, aber wer das Spiel gegen Hoffenheim gesehen hat, gegen eine stark limitierte Mannschaft, die völlig von der Rolle ist, der weiß, daß ich nicht übertreibe. Und Dortmund hat noch drei Gegner vor der Brust, für die es um alles geht, und gerade gegen solche Mannschaften hat Dortmund seine liebe Mühe. Und wer gegen eine Mannschaft nervös wird, obwohl man in Führung gegangen ist, bei dem ist der Wurm drin, und der wird so schnell nicht mehr rausgehen. Da spielt jetzt die Versagensangst um den 5. Platz eine Rolle, und ist man erstmal von Stuttgart überholt, wird man um Platz 6 zittern. Es würde mich nicht wundern, wenn es wieder so eng wird wie im letzten Jahr, als der BVB in der Nachspielzeit durch ein irreguläres Tor um die Europa League gebracht wurde.