Die Wahrheit über den 30. Spieltag

Ich weiß nicht, welche perverse Neugier mich antrieb, wieder in das restjugoslawische Wettbüro zu tigern, wo Restjugoslawen auf Bildschirme starrend auf alles wetten, was nicht niet- und nagelfest ist. Pferderennen, Fußball, Tiger Woods, Formel 1, auf alles wurde im dichten Qualm gesetzt. Ich wußte genau, daß Dortmund in der entscheidenden Situation erneut versagen würde, aber wie ein Triebtäter mußte ich es mir wieder antun. Auf Dortmund würde ich heute keinen Cent wetten und auf eine Niederlage kam auch nicht in Frage, denn das verbot sich von selbst. Immerhin hätte Dortmund sich auf Platz 3 vorrobben können. Und das machte sie nervös. Das Spiel wurde allerdings gar nicht gezeigt, weil irgendwelche restjugoslawischen Dunkelmänner das Spiel nicht im Programm hatten, sondern nur Hertha gegen Stuttgart, aber wer will das schon sehen. Ich jedenfalls nicht. Immerhin konnte ich erreichen, daß auf einem der zahlreichen Bildschirme extra für mich Konferenzschaltung angeschaltet wurde, was mich normalerweise auch nicht dazu bewogen hätte, mich in eine Bar zu schleppen.
Aber jetzt war ich da und erfuhr, daß Dortmund 64 Prozent Ballbesitz hatte. Das machte mich skeptisch. Ich wußte, daß es Dortmund wieder versieben würde, mit Vorliebe gegen einen Verein, der schon seit Ewigkeiten nicht mehr gewonnen und zu Hause eine katastrophale Bilanz aufzuweisen hat. Eben genau wie Mainz, ein mittelmäßiger Gegner, wie er mittelmäßiger gar nicht sein konnte. Und als es dann hieß, Tor in Mainz, da wußte ich, daß es nicht auf der richtigen Seite gefallen war. Ein Mainzer hatte sich in den Dortmunder Strafraum verirrt, hatte Hummels ausgespielt und aufs Tor geschossen. Der erste Schuß überhaupt, und drin. Während Barrios eine zweihundertprozentige versiebt hatte und auch kein anderer Dortmunder es verstand, die drückende Überlegenheit in Tore umzuwandeln. Den Rest des Spiels stellten sich die Mainzer hinten rein und verriegelten ihren Strafraum wie einen Hochsicherheitstrakt, während die Dortmunder ihn umkreisten wie hungrige Wölfe, sich aber nur die Zähne ausbissen. Es war nicht schön anzusehen, wenn ich mal was zu sehen bekam. Immerhin wurde auch Schalke von der Versagensangst gepackt. Gegen den sicheren Absteiger Hannover spielten sie selber wie einer. 2:0 lagen sie zur Pause zurück, bevor Magath ihnen in der Pause wahrscheinlich androhte, sie alle in den Gulag zu schicken. Also machten sie den Ausgleich, knickten aber dann am Ende doch wieder ein und mußten sich mit 4:2 verlorengeben. Ein schwacher Trost, aber in solchen Situationen nimmt man alles mit. Dabei hätte es so schön sein können, denn die Tablettenelf kam über ein Unentschieden gegen Bayern nicht hinaus. So aber sitzen die Bremer den Dortmundern schon wieder im Nacken, die mit einem glanzvollen 4:0 Freiburg deklassierten.

Abends ging ich dann in ein überfülltes Irish Pub, wo richtiger Fußball gezeigt wurde: Real Madrid gegen Barcelona.