Die Wahrheit über den 29. Spieltag

Zur Zeit läuft alles wie am Schnürchen. Van Bommels Kommentar »Die Schalker können es nicht« bewahrheitete sich im Spitzenspiel. Obwohl Bayerns Altintop schon frühzeitig das Feld verlassen mußte, schafften die Schalker es nicht, eine 2:1-Führung der Bayern aus der ersten Hälfte zu egalisieren. Das Schalke-Spiel ist eben auf Zerstörung ausgerichtet. Wenn ihnen eine Mannschaft mit den gleichen Mitteln begegnet, dann gibt es ein Gehacke, das nicht schön anzusehen ist. Und so war es dann auch. Mit einem Auge konnte ich die Partie in einem Wettbüro in Wien am Praterstern beobachten, wo jeder Fan seinen eigenen Fernsehschirm hatte. Der Bayern-Fan sprang bei jedem Tor auf und brüllte »So siehts aus«. Ausnahmsweise freute ich mich mit ihm, und das taten auch die BVB-Fans, die die Bayern-Tore lauter bejubelten als die der eigenen Mannschaft.

Aber wer einen Kuranyi in seinen Reihen hat, sollte sowieso aus der Gemeinschaft der Fußballfans ausgeschlossen werden. Ich konzentrierte mich aber lieber auf meinen eigenen Bildschirm, da hatte ich genügend Qualen auszustehen. Immerhin ging es gegen Bremen, die den Dortmundern im Nacken saßen und schon ewig kein Spiel mehr verloren hatten. Die Schwarzgelben aber drehten von Anfang an mächtig auf und erzielten frühzeitig zwei exzellente Kopfballtore, eins von Großkreutz, bei dem der Ball sich schön über Wiese hinweg ins Tor senkte, das andere von Subotic nach Ecke von Zidan, der den Ball vorher geküßt hatte, eine inbrünstige Geste, von der ich nicht geglaubt hätte, daß sie hilft. Nach dem Anschlußtreffer begann dann das große Zittern, denn die Bremer waren in der zweiten Halbzeit drückend überlegen. Das Spiel war zum Verzweifeln, denn nach jeder guten Aktion eines Dortmunders folgte kurz darauf der erneute Ballverlust.

Aber den Schwarzgelben war auch diesmal das Glück hold. Jetzt können die Fans sogar schon vom 3. Platz träumen, denn an diesem perfekten Tag mußte sich Leverkusen in Frankfurt durch ein Last-Minute-Tor 3:2 geschlagen geben, so daß der Abstand zum fast schon designierten Meister nur noch ein Pünktchen beträgt. Immer noch versucht Leverkusen sich einzureden, keine Krise zu haben, aber wenn man als Spitzenmannschaft drei Spiele hintereinander verliert und das vierte wahrscheinlich auch, weil es dann gegen die Bayern geht, dann muß man schon arg blind sein, um sich über diesen kritischen Zustand hinwegzutäuschen.

Und auch in Hamburg geht das Gespenst der Krise um. Ein maues torloses Remis brachten die Hamburger gegen den sicheren Absteiger aus Hannover zustande. Trotz van Nistelroy schwimmen die Felle des internationalen Geschäfts langsam aber sicher weg. Und Guerrero verlor die Nerven und bewarf einen pöbelnden Zuschauer mit einer Wasserflasche, war sogar nur durch Sicherheitspersonal davon abzubringen, dem Mann an die Gurgel zu gehen. Und von hinten drängt Wolfsburg, die den Hoffenheimern ein 4:0 bescherten. Sieht also alles prima aus. Ich rieb mir die Hände und holte am Wettschalter meinen bescheidenen Gewinn ab.