Die Wahrheit über den 25. Spieltag

Nach den hysterischen Reaktionen der Fußballbosse und vor allem der Kommentatoren, die besinnungslos auf die Fan-Proteste gegen Hopp und den DFB einteufelten, nach der Blamage von Fritz Keller, der in einem Gespräch im ZDF seine völlige Ahnungslosigkeit präsentierte, meldeten sich unter der Woche auch ein paar Stimmen, die ihren Verstand noch nicht an der Garderobe des DFB abgegeben hatten, und auch den Verantwortlichen dämmerte, dass sie sich möglicherweise ein bisschen blamiert hatten. In den Stadien waren nun Banner zu sehen, die etwas ironischer und sarkastischer, aber auch inhaltlicher auf Hopp und den DFB eingingen. Leider war das beste Transparent nicht von den BVB-Fans, sondern von Schalke-Fans, die sich damals allerdings auch ein wenig selbst unterhalten mussten in dem nicht gerade unterhaltsamen Spiel gegen Hoffenheim, das leistungsgerecht 1:1 ausging. Dort jedenfalls war zu lesen: »Wir entschuldigen uns bei allen Huren, sie mit Herrn Hopp in Verbindung gebracht zu haben«. Die Gladbacher Fans brachten die Sache humorlos zwar, aber auf den Punkt: »Fußball-Mafia DFB«. Ausgerechnet in Kaiserslautern gab es selbstkritische Töne: »Rassismus im Stadion? Nie gehört! Korruption in den eigenen Reihen? Nie Passiert! Beleidigung eines Premiumpartners? Zuschauerausschluss, Spielabbruch, Sippenhaft«. Und in der Partie Freiburg gegen Union sah man den eigentlich Sinn der Abkürzung DFB: »Dietmars Fußball-Bund«. Was dem DFB-Präsidenten Fritz Keller, der ebenfalls in der Kritik stand, wahrscheinlich ein völliges Rätsel war. Die Ultras von Hertha wurden politisch und reimten: »Schmiergelder, Kollektivstrafen, Tote in Katar – Wer die häßliche Fratze im Fußball ist, ist klar«. Die angereisten Bremer wollten das zunächst nicht anerkennen und schossen schnell zwei Tore, ließen die Hertha dann aber wieder zurückkommen und zwei Tore zum Ausgleich schießen. Zwei Jahre lang sollen die Fans von Borussia Dortmund von den Spielen in Hoffenheim ausgeschlossen werden, weil Herr Hopp das so will, und der DFB beeilt sich, diese Kollektivstrafe durchzusetzen, weil Hopp einer der Hauptsponsoren des DFB ist. Inzwischen dämmert dem DFB, dass er sich mit der Strategie der Spielunterbrechungen selbst nicht nur lächerlich macht, sondern auch den Fans ein Machtmittel in die Hand gibt, mit dem diese leider noch nicht richtig umgehen konnten, denn wenn die Bayern-Fans in Hoffenheim letzte Woche konsequent geblieben wären, hätte das Spiel für Hoffenheim gewertet werden müssen. Dummerweise war ihnen der Protest gegen Hopp dann doch nicht soviel wert wie die drei Punkte. Oder die Hoffenheim-Fans hätten den Anti-Hopp-Protest übernehmen können. Aber das ist natürlich Quatsch, denn es gibt ja gar keine Hoffenheim-Fans, sondern nur von Hopp gesponserte Zuschauer. Die BVB-Fans bildeten an diesem Wochenende in Mönchengladbach eine Gesangsgruppe, aber der Schiedsrichter überhörte das. Er war schon mit dem Spiel überfordert, das mit etwas Glück 2:1 für den BVB ausging, eine hart geführte Kampfpartie, die nichts für den Techniker Julian Brandt war, der so gut wie jeden Ball verlor, und auch Hakimi spielte jeden Ball sicherheitshalber immer wieder zurück zu Hummels. Erst als für Paris geschonte Sancho auf dem Platz kam, wachte auch Hakimi wieder auf, und als er von Sancho mit einem feinen Zauberpaß in die Tiefe geschickt wurde, gelang ihm sogar der Siegtreffer zum 2:1. Da Leipzig in Wolfsburg über ein in Wolfsburg nicht anders zu erwartendes ödes 0:0 kam, kann sich der BVB jetzt sogar auf Platz 2 vorschieben. Wird aber wahrscheinlich nicht lange so sein.