Die Wahrheit über den 24. Spieltag

Als »Arbeitssieg« wurde der Sieg des BVB zu Hause gegen Freiburg von einem Reporter bezeichnet, der Favre fragte, ob er den Ausdruck kenne. Favre sagte, natürlich kenne er den Ausdruck. Ob er ihm gefalle, fragte der Reporter weiter. Ja, das gefällt mir sehr, war die Antwort. Immer wieder kommt man in den Genuss eines solchen Qualitätsjournalismus‘, in dem sich das Niveau der nichtssagenden Aussagen Favres dem Niveau der Reoporterfragen perfekt angepasst hat. Und das war auch schon das Highlight dieser Partie. An diesem Spieltag aber machten auch noch viele andere Leute aus der Fußballbranche diesem Höhepunkt Konkurrenz. In Hoffenheim, wo die Bayern nach 77 Minuten bereits 6:0 führten, entrollten einige Bayern-Ultras Transparente mit der Aufschrift, dass Hopp ein »Hurensohn« sei. Eine falsche Tatsachenbehauptung, denn Hopp ist der legitime Sohn eines SA-Truppführers, der die jüdischen Opfer seines Vaters finanziell unterstützte, was bei einem Mann, dessen Vermögen auf über 10 Milliarden geschätzt wird, als Investition in Reputation betrachtet werden kann. Hopp ist vor allem deshalb bei den Fans unbeliebt, weil er den in der Tat völlig überflüssigen Verein Hoffenheim mit seinem Geld aus dem Boden gestampft hat, ein Kunstprodukt mit Wettbewerbsvorteil gegenüber traditionellen Vereinen, die keinen oder nur windige Mäzene haben oder an ihrer eigenen Unfähigkeit zugrunde gehen. Die Wut der Fans ist insofern rückwärtsgewandt, denn der Fußball ist schon lange keine Angelegenheit der Tradition mehr, und die romantische Vorstellung von den Kohlekumpeln, die unter Tage Steinklumpen zerklopft haben und anschließend auf einem Acker dem Ball hinterhergelaufen sind, wie das Schalke zu seiner Identität macht, ist höchst lächerlich. Überhaupt scheint das Graben in der Fußballhistorie eines Vereins umso beliebter zu werden, je weiter sich der Verein von den Ursprüngen entfernt, an die die Fans festhalten sollen, was diese auch tun, allerdings mit unangenehmen Nebenwirkungen für die Vereine. Man kann nicht behaupten, dass »Hurensohn« ein besonders schlimmes Schimpfwort ist, zumindest ist es im allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen ungefähr so wie fucking. Dummerweise trifft es jetzt Hopp, und Hopp gilt als sakrosankte Person, weil er Vorstand eines Vereins ist. Wird ein schwarzer Fußballer, der in der Regel nur Millionär ist, mit Affenlauten beleidigt, wird kein Spiel unterbrochen, denn dieser ist schließlich nur Angestellter eines Vereins. Der Rassismus spielt also in der Agenda des Fußballmanagements, das die Regeln bestimmt und die Sanktionen verhängt, eine untergeordnete Rolle gegenüber der Beleidigung eines Funktionsträgers. Wenn Schalke-Fans »Nübel raus« rufen, weil der Torwart versagt hat, dann wird das mit Tadel vielleicht, aber tolerierend hingenommen, obwohl Nübel außer seinen Mitspielern niemanden hat, der sich solidarisch vor ihn stellt. Als der DFB-Präsident Fritz Keller im Sportstudio seinen Abscheu verkünden durfte, konnte man sehen, dass diesmal zum Präsidenten gemacht wurde, den außer Dummheit nichts für diesen Job qualifiziert. Der Rassismus, die Ressentiments und der Hass sind im Stadion zu Hause wie nirgends sonst. Jetzt will man den sauberen Fußball installieren so wie früher die saubere Leinwand. Man will ihn unsichtbar in die unteren Ligen verbannen, weil dort nicht über ihn berichtet wird. In der ersten Liga, sollen sich die Manager im Glanze ihrer Macht ungestört sonnen dürfen. Aber wirklich obszön sind nicht die Fans, sondern die Milliarden, aus denen das Geschäft inzwischen besteht, obszön ist die Psychopathologie von Spielern, die in diesem System entweder auf abstoßende Weise angepasst sind oder denen wie Sancho der Reichtum zu Kopf gestiegen ist, weshalb er ein vergoldetes Steak bei irgendeinem Scheich zu verdrücken für das non plus ultra hält, obszön sind Gestalten wie Hoeneß, der für seine Kunst des Managements gelobt wird, munter aber Steuern hinterzieht. Aber das nur nebenbei zur Erinnerung. Sonst war es ein eher mittelmäßiger Spieltag.