Die Wahrheit über den 23. Spieltag

Nach dem glanzvollen Auftritt gegen einen der ganz großen Nummern in Europa, Paris St. Germain, konnte man gespannt sein, wie die Dortmunder in den Bundesligaalltag zurückfinden würden. Zwar hatte man gegen Bremen noch eine Rechnung offen, weil man von den Grünweißen aus dem Pokal gekickt wurde, wo die Bremer nach lauter desaströsen Auftritten plötzlich zeigten, dass sie das Fußballspielen nicht verlernt hatten, konnte man auch diesmal nicht sicher sein, was passieren würde. Und tatsächlich traten die Bremer, die nach ihrem Pokalfight wieder in den Abstiegsmodus verfallen waren und alle Punkte herschenkten, erstaunlich stark auf, als ob ihnen die Borussia besonders liegen würde. Wieder drängten die Bremer den Gegner in die eigene Hälfte und ließen keinem der Dortmunder Abwehrspieler allzuviel Zeit am Ball. Favre hatte die gleiche Elf aufgeboten wie gegen Paris, und wie es schien, hat er jetzt die richtige Mischung im Mannschaftsverbund gefunden, denn mit Can und Witsel als kämpfende Sechser und Ballabräumer, kamen die Bremer nie zum Abschluss. Sie konnten es nicht verhindern, dass Dortmund langsam besser ins Spiel kam, aber nach 45 Minuten waren immer noch keine Tore gefallen, Torszenen waren auf beiden Seiten ziemlich rar. Die gesamte 1. Halbzeit war eigentlich zum Vergessen. Immerhin ließ der neue Abwehrverbund mit Zagadou statt Akanji keine Chancen zu. Es brauchte dann eine Standardsituation, um die Dortmunder in Führung zu bringen. Zagadou ließ sich von Selke nicht aus dem Tritt bringen und bugsierte den Flankenball direkt ins Tor. In der 66. Minute schließlich schlug das Monster Haaland zu, nach einem schönen Spielzug, der den Dortmundern in dieser Konstellation schon häufiger gelang. Sancho schickte Hakimi steil zur Grundlinie, der den Ball in den Rückraum spielte, wo Haaland lauerte. Das geht so schnell, dass der Spielzug kaum zu verteidigen ist. Haaland war es allerdings auch zu verdanken, dass der BVB nicht höher gewann, denn statt quer zu spielen auf seine Mitspieler, schoss Haaland lieber den Torwart an. Das Entscheidende aber war, dass Dortmund in der Defensive nun besser organisiert zu sein scheint. Man kann das an Can beobachten, der sich für die Blutgrätsche nicht zu fein ist, sondern der auch ständig seine Mitspieler zur Ordnung ruft, ganz anders als Witsel, der irgendwie nie sein feines Lächeln abzulegen scheint. Vielleicht sind ja Can und Haaland tatsächlich die missing links im Gefüge der Dortmunder Elf. Jedenfalls waren die drei Punkte für die Dortmunder ungemein wichtig, denn auch Bayern und Leipzig gewannen ihre Spiele, allerdings auf sehr unterschiedliche Weise, denn während die Bayern nur glücklich und durch Lewandowski zu Hause einen 3:2-Sieg gegen den Tabellenletzten Paderborn zustandebrachten, aber nur einen Punkt verdient hatten, fertigte Leipzig auswärts harmlose Schalker mit 5:0 ab, wobei es bei den Gelsenkirchenern sowieso an ein Wunder grenzte, dass sie so gut dastehen. Mönchengladbach, dem Vierten im Bunde ganz oben, gelang es nach acht Siegen in Folge zu Hause und trotz Überlegenheit nicht, ein 1:0 gegen Hoffenheim über die Runden zu bringen. Sogar einen Elfer vergaben die Gladbacher, fanden allerdings im Hoffenheimer Torwart Baumann einen an diesem Tag richtig gut aufgelegten Widersacher. In der Nachspielzeit dann kam es wie es immer kommt, wenn man seine Chancen so sträflich liegen lässt: Man kassierte das 1:1 und hat jetzt Leverkusen im Nacken sitzen. Und die Hertha schaffte vor heimischer Kulisse eine grandiose 5:0 Niederlage. Gegen ziemlich limitierte Kölner. Vielleicht wird es ja noch was mit dem Abstieg, wenn schon nicht mit dem Traum vom Hauptstadtklub.