Die Wahrheit über den 22. Spieltag

Es kam wieder mal ganz anders als gedacht. Man hätte beispielsweise annehmen können, dass der BVB nach zwei Niederlagen in Folge und vor allem nach der Niederlage gegen Leverkusen, als man fast das gesamte Spiel über dominierte und es am Schluss noch herschenkte, nicht sonderlich selbstbewusst auftreten würde, während die Eintracht nach dem besten Rückrundenstart in ihrer Geschichte ziemlich gut dastanden. Aber dann setzte sich die Statistik durch, derzufolge die Eintracht schon seit fast zehn Jahren nichts mehr in Dortmund holen konnte. Und tatsächlich, die Eintracht spielte wieder so wie immer in Dortmund, nämlich merkwürdig leidenschaftslos und uninspiriert, oder lag es am BVB, der diesmal konsequenter in die Zweikämpfe ging, frühzeitig bei Ballverlust presste, die Frankfurter zu Abspielfehlern zwang, oder vielleicht auch daran, dass Akanji mal auf der Bank gelassen wurde, da er sich in der letzten Zeit als ziemlicher Unsicherheitsfaktor erwiesen hatte, während der ihn ersetztende Zagadou zusammen mit Guerreiro zu den besten Spielern des BVB gehörte? Nein, diesmal hatte man nicht das Gefühl, dass das Spiel nach der Dortmunder Führung wieder kippen könnte. Hakimi setzte wieder zu seinen unnachahmlich schnellen Sprints an, Sancho setze seine Mitspieler wieder mit traumhaften Vorlagen in Szene und schoss mit traumhafter Sicherheit das 2:0, und vor allem die Kombination zum 3:0 war einfach hinreißend anzusehen und ist von keiner Mannschaft der Welt wirklich zu verteidigen. Es waren also alle rundum zufrieden, was vielleicht nicht die beste Ausgangslage ist für das morgige CL-Spiel gegen Tuchels Paris St. Germain, dessen Mannschaft beim Tabellenvorletzten Amiens schon 3:0 zurücklag, schließlich 4:3 in Führung ging, aber dann kurz vor Schluss doch noch das 4:4 kassieren musste. Das hört sich eigentlich ganz nach Dortmund an, aber es ist nicht anzunehmen, dass Paris den BVB unterschätzen wird, nicht so wie Amiens, denn Tuchel weiß, was in Dortmund auf seine Mannschaft zukommen kann, wenn man dort einen guten Tag erwischt. Bayer Leverkusen hat mit einem neuerlichen Sieg bei Union wieder Anschluss zur Vierergruppe an der Spitze gefunden. In Berlin waren die BVB-Bezwinger im Bund mit großem Glück, denn erst in der 94. Minute gelang Bellarabi der Siegtreffer, und sogar Bosz musste zugeben, dass Union in diesem Spiel mehr verdient hatte. Jedenfalls setzten sie Leverkusen ziemlich unter Druck und schossen den 2:2-Ausgleich selbst erst in der 87. Minute. Es war also ein dramatisches Finale, in dem keine von beiden Mannschaften aufsteckte. Dass dem BVB mal wieder in der Nachspielzeit einen Siegtreffer gelingt, daran mag man gar nicht mehr glauben, jedenfalls ist es sehr lange her und unter Favre so gut wie noch nie. Nachdem der Blender Klinsmann einfach hingeschmissen hat, weil man ihm nicht freiwillig alle Kompetenzen zu Füßen gelegt hat, steht Hertha ziemlich dumm da, vom erträumten Hauptstadttclub zur Lachnummer ist es manchmal nur ein kurzer Weg, aber immerhin ist ihnen in Paderborn in einem wenig attraktiven Spiel ein schmeichelhafter 2:1-Sieg geglückt, so dass man sich von den Abstiegsplätzen etwas absetzen, sogar mit Union punktemäßig gleichziehen konnte. Leipzig und Gladbach gewannen relativ souverän gegen Bremen und Düsseldorf, die beide weiterhin ganz unten feststecken.