Die Wahrheit über den 20. Spieltag

Die Tormaschine läuft bei den Dortmundern. Noch nie sind Borussia Dortmund in drei Spielen hintereinander 15 Tore gelungen, noch nie sind einem Neuzugang bei Borussia Dortmund in so kurzer Spielzeit über drei Spiele hinweg sieben Tore gelungen, noch nie hat ein so junger Spieler wie Sancho 25 Tore in der Bundesliga erzielen können. Gleich drei Rekorde aus der fabelhaften Welt der Statistik, bei denen man den Eindruck gewinnen könnte, dass Dortmund nicht mehr aufzuhalten sei, und jetzt wurde auch noch Emre Can verpflichtet (das ist der, der sich nicht mit Erdogan ablichten lassen wollte, aber trotzdem likte, als türkische Truppen in Nordsyrien einmarschieren, den Like aber wieder zurücknahm, als sich Empörung regte), ein Kämpfer und Abräumer im Mittelfeld, nicht zuletzt, weil Delaney seit geraumer Zeit verletzt ist und man in Dortmund die Abwehr stabilisieren will. Theoretisch ist das ein guter Gedanke, aber ob er aufgeht, muss sich wie immer im Fußball erst erweisen. Das Risiko der Verpflichtung ist jedoch überschaubar, denn man hat ihn bis zum Saisonende zunächst einmal für eine Million nur ausgeliehen von Juventus Turin, wohin er ablösefrei gewechselt war genau in dem Moment, als sein alter Verein Liverpool zum Höhenflug ansetzte, die Champions-League gewann und nun auch noch aller Voraussicht nach Meister wird. Der Mann hat also ein Gefühl für den richtigen Moment. Von Juve wurde er zuletzt nicht mehr berücksichtigt. Auch in Dortmund wurden in letzter Zeit einige Spieler nicht mehr berücksichtigt und haben dem Verein nun den Rücken gekehrt wie Bruun-Larsen und Alcacer. Aber schon bloß ausgewechselt zu werden, sorgte wie im aktuellen Spiel gegen Union Berlin für Frust trotz eines deutlichen 5:0. Hakimi ließ ihn an einer Wasserflasche aus, allerdings hatte er tatsächlich nicht seinen besten Tag erwischt. Seinen Gegenspieler ließ er laufen, dem fast das 1:0 gelungen wäre, und auch von der Wucht seiner Offensivaktionen war an diesem Tag nichts zu sehen. Die wacklige Abwehr ist geblieben, nur wurde sie von Union kaum geprüft. Erst zu Beginn der 2. Halbzeit, als es schon 2:0 für die Borussia stand, machten die Berliner etwas Dampf und sofort ergaben sich ein paar Möglichkeiten, aber als Haaland im Strafraum zu Fall kam und Reus den Elfer versenkte, war der zwanzigminütige Widerstand der Berliner gebrochen und es ging ganz schnell mit weiteren schönen Toren von Witsel und Haaland zum beeindruckenden 5:0. Immerhin sind die Dortmunder jetzt auf Platz drei geklettert, weil Gladbach und Leipzig sich 2:2 trennten, in einem Spiel, dessen Ausgang nicht von den Spielern, sondern vom Schiedsrichter so entschieden wurde, weil er beim Stand von 2:1 für Gladbach dem Gladbacher Plea wegen Meckerns zweimal gelb hintereinander und damit rot gab und sich dabei folgsam auf eine neue Regel des Verbands berief, der damit jedes Gefühl für eine Situation ausschalten will, denn die Erregung Pleas war nach einem Foul, das nicht gepfiffen wurde, durchaus verständlich, und konsequent angewandt ist die Regel künftig für mehrere Platzverweise gut. Jedenfalls kippte das Spiel nach dieser Entscheidung zugunsten der Leipziger, denen nach einem Sonntagsschuss in der letzten Minute noch der Ausgleich gelang, zur Freude der Bayern, die nach einem lockeren 3:1 in Mainz wie gewohnt die Tabellenspitze übernehmen konnten.