Die Wahrheit über den 19. Spieltag

Immerhin mit vier Siegen in Folge kam der Kölner FC nach Dortmund, also mit genügend Selbstbewusstsein, um nicht vor den Dortmundern automatisch in Ehrfurcht zu erstarren, die eine Woche zuvor wieder eindrücklich unter Beweis gestellt haben, wie sehr eine engagierte und Pressing spielende Offensive die schwarzgelbe Hintermannschaft in Bedrängnis bringen kann. Daran änderte sich auch nichts als es bereits nach 50 Sekunden 1:0 für Dortmund stand nach Vorbereitung durch Sancho und Schuss von Guerreiro. Köln ließ sich dadurch nicht beeindrucken. Warum auch? Hatten die Dortmunder doch schon häufig gezeigt, dass eine Führung Gift für den weiteren Spielverlauf ist, weil man automatisch einen Gang zurückschaltet und den Gegner kommen lässt, in der Hoffnung, dass sich vorne Räume öffnen, die man dann in der Regel aber nicht zu nutzen weiß, weil man hinten zu sehr auf Ballsicherung bedacht ist. Diesmal aber schienen die Dortmunder aus den vergangenen Spielen gelernt zu haben, auch wenn die Abwehr nicht immer den stabilsten Eindruck machte, einmal ein Kölner ganz frei vor dem Strafraum angespielt werden konnte und Hummels als letzten Mann ausrutschte, zugleich aber machten die Dortmunder ihrerseits Druck. Hummels köpfte mit Gewalt an die Latte und Reus vergab wieder eine Großchance, bevor er dann nach einem langen präzisen Pass von Hummels den Kölner Torwart Horn zum 2:0 tunnelte. Aber dann kam die gefürchtete 2. Halbzeit, und die Erfahrung lehrt einem, dass selbst eine 3:0 oder 4:0-Führung nicht unbedingt reichen. Aber es gab keinen unerklärlichen Einbruch, vielleicht auch deshalb, weil Köln nach einem weiteren Tor durch Sancho in der 48. Minute nicht mehr so richtig an eine Wende glaubten. Auch nicht nach dem Anschlusstreffer, denn dann kam die neue Geheimwaffe der Dortmunder ins Spiel. Und Haaland war kaum im Spiel, als er auch schon Timo Horn prüfte. Es dauerte dann doch etwas länger als im letzten Spiel, bis Haaland traf, und auch nur zweimal statt dreimal wie zuletzt, was Bürki mit trockenem Humor kommentierte, denn würde Haaland so weiter machen, würde ihm im nächsten Spiel gegen Union nur noch ein Treffer gelingen und gegen stärkere Gegner gar keiner mehr. Man versucht zwar, den Hype um Haaland etwas zu bremsen, aber dass er mit seiner Präsenz und seiner Körpersprache etwas bewirkt, ist unübersehbar. Er muss erst noch behutsam aufgebaut werden, wenn zuletzt in Salzburg war er häufig verletzt, was man als Indiz werten kann, dass sein Körper nicht für die extreme Belastung der Bundesliga geeignet ist. Aber es würde auch reichen, wenn er in den letzten zwanzig Minuten immer ein paar Tore macht. Die Bayern sind wieder die alten und servierten ein völlig überfordertes Schalke mit 5:0 ab. Sie sitzen jetzt den Leipzigern im Nacken, die in Frankfurt trotz Überlegenheit mit 2:0 verloren, weil sie es in der 1. Halbzeit versäumten Tore zu machen. Und auch Gladbach quälte sich zu einem Sieg über Mainz, was alles auf ein humorloses Durchmarschieren der Bayern hindeutet. Wenn sich dann am nächsten Spieltag Leipzig und Gladbach gegenseitig die Punkte abnehmen, dürfte die alte Hackordnung wieder hergestellt sein, dann könnte es wieder so langweilig werden wie eh und je.