Die Wahrheit über den 17. Spieltag

Nach der deprimierenden 2:1-Niederlage gegen schwache Hoffenheimer wehrten sich Zorc und Favre gegen die Behauptung, den Dortmunder Spielern fehle der Wille, ein Spiel wirklich gewinnen zu wollen. Man hätte es einfach versäumt, aus den zahlreichen Chancen zwei, drei weitere Tore zu machen, um das Spiel vorzeitig zu entscheiden. Das stimmt zwar, aber auch um Tore zu erzielen, braucht man den Willen, um das Glück notfalls zu erzwingen. Und das lässt sich bei den Dortmundern nicht erkennen. Aus der Überlegenheit nichts zu machen, sondern nur sich bestätigt zu fühlen, fast schon anzufangen, mit dem Gegner Katz und Maus zu spielen, ihn nicht mehr richtig ernst zu nehmen, führt genau dazu, dass das Spiel gegen eine Mannschaft, der zwar nichts gelingt, aber einfach immer weiter probiert und nie aufgibt, plötzlich zu kippen anfängt. Und dieses Muster lässt sich seit längerem bei Dortmund beobachten. Der angeblich so hochbegabten Mannschaft gelingt dann nur noch wenig und lässt sich von der spielerischen Unfähigkeit des Gegners anstecken, und wenn dann auch noch Sancho anfängt zu schwächeln und mit außergewöhnlichen Fehlpässen glänzt, dann kann man der Niederlage eine gewisse Logik nicht absprechen. Die Situation vor dem 2:1 war dafür typisch. Alle Dortmunder in der eigenen Hälfte, alle auf Position und ohne den ballführenden Mann zu attackieren. Müde seien die Spieler gewesen, heißt es zur Entschuldigung, aber was in Wirklichkeit fehlt, ist der Glaube und die damit verbundene Begeisterung, wirklich Meister werden zu können. Da ist einfach keine Mannschaft auf dem Platz, bei der man spüren würde, dass sie füreinander kämpft und sich am Spiel berauscht, wie man das bei Leipzig spürt, die selbst nach einer vergurkten ersten Halbzeit wieder zurückkommen, oder auch bei den Bayern, bei denen man selbst bei den verlorenen Spielen nicht das Gefühl hatte, sie hätten nicht alles gegeben. Auch die Bayern tun sich schwer wie gegen die natürlich defensiv eingestellten Wolfsburger, Chancen zu generieren und Tore zu schießen, aber sie versuchen es immer wieder und weiter, und genau aus diesem Grund gelingen ihnen in den letzten Minuten oder in der Nachspielzeit noch die entscheidenden Siegtreffer. Anders die Dortmunder, die sich an ihrer Überlegenheit erfreuen und am Ende nachlässig werden oder denen plötzlich einfällt, dass der knappe Vorsprung jetzt wie so häufig vielleicht doch nicht reicht und anfangen zu verkrampfen, bestärkt durch den Trainer, der den Vorsprung mit Defensivspielern über die Runden bringen will, während beim mittelmäßigen Gegner Offensivspieler eingewechselt werden. Und deshalb wird das mit Favre nichts mehr, denn es liegt eben nicht nur an den vergebenen Chancen, sondern auch am subjektiven Faktor. Das ist ja auch das schöne am Fußballspiel, dass die von den Trainern ausgetüftelte Taktik häufig nicht klappt, und wenn sie klappt, es meistens ein ödes Spiel gibt. Dafür steht die Hertha, die sich ihre Punkte ermauert, diesmal gegen Gladbacher, die ebenfalls nicht zum Kreis der Favoriten auf den Meistertitel gehören, weil sie wie die Dortmunder zu wankelmütig sind und nicht wirklich die Mittel haben, gegnerische Defensiven zu knacken. Anders wiederum verhält es sich mit Schalke und Freiburg, die sich standesgemäß 2:2 trennten, weil beide wirklich eine geschlossene Mannschaftsleistung bieten und trotz ihrer limitierten Mittel kämpfen, weil sie zu glauben beginnen, einen internationalen Platz erreichen zu können. Die Dortmunder können also froh sein, wenn sie noch Platz 4 schaffen.