Die Wahrheit über den 3. Spieltag

Dortmund knüpfte nahtlos an seine Leistung gegen Köln aus der ersten Halbzeit an. Ideenlos, leidenschaftslos, ohne Kampfgeist, und von den sogenannten Leadern Reus und Hummels kaum was zu sehen. Die in den Himmel gelobte junge Mannschaft hielt sich an das Credo ihres Trainers und spielte mit 75 Prozent Ballbesitz geduldig um den Strafraum herum. Man ist immer wieder aufs Neue überrascht, wie wenig Favre in der Lage ist, sich auszudrücken oder auch nur einen klaren Gedanken zu formulieren. Als er nach dem Spiel gefragt wurde, woran es lag, konnte er keine Spielanalyse erstellen, sondern sagte nur, dass man Geduld haben müsse und dass Laufen wichtig sei, weil Union Berlin 7 Kilometer mehr gelaufen war als die Dortmunder, die fast schon aufreizend behäbig spielten. Das Geduldsspiel, dass den Dortmunder auferlegt wurde und dass gegen Köln gerade mal noch so klappte, führte schließlich zu Fehlern der Dortmunder und nicht die Unioner. Vor allem Akanji brillierte als letzter Mann mit einem Stopfehler, indem ihm ein Ball als Vorlage für den Gegner geriet, von dem er sich dann auch noch tunneln ließ. Und auch das 3:1 verdeutlichte, dass die Unioner mit Doppelpass und Direktspiel den Spielwitz hatten, den Dortmund völlig vermissen ließ. Union gab zudem mehr Torschüsse ab als die Schwarzgelben, liefen mehr und holten mehr Ecken heraus. Die anderen Spielwerte, bei denen der BVB haushoch überlegen war, wie Passquote und Anzahl der Pässe, Ballbesitz und Zweikampfquote überließen die Unioner den Dortmundern. Und das ist interessant, denn das verdeutlicht mal wieder, wie wenig mit diesen Werten zu erreichen ist, wenn nicht auch noch Kampfgeist und Siegeswille dazukommt, die die Dortmunder völlig vermissen ließen. Und damit ist ja wohl schon alles gesagt zur vorab bereits vergebenen Meisterschaft, denn Bayern zeigte eindrucksvoll mit einem 6:1 gegen arme Mainzer, wie man Meister wird. Dass es nicht ein vollkommen vergurkter Abend war, lag an Neven Subotic, der in Dortmund die großen Triumphe an der Seite von Hummels feiern durfte und von den Dortmunder Fans immer noch auf rührende Weise verehrt wird. Subotic ist einer der wenigen Fußball-Millionäre, der mit seinem Geld sich nicht nur den neuesten Masserati in die Garage stellt, sondern mit seinem Geld etwas sinnvolles tut, der eine Stiftung gegründet hat, die in Afrika Trinkwasserbrunnen für Dörfer baut und den Bewohnern dort das Überleben ermöglicht. Und gerade deshalb ist es so schön, dass er auch noch als Spieler anderer Mannschaften mit großen Ovationen gefeiert wird und der an den Verein wirklich sein Herz verloren hat und dem man das glaubt, weil es kein bloßes Lippenbekenntnis ist. Schon nach dem 3. Spieltag hat es nur eine Mannschaft geschafft, die neun möglichen Punkte auch einzufahren, nämlich die von allen gehasste Retortenmannschaft RB Leipzig. Das ist bitter, aber sie haben zumindest mit Nagelsmann einen Trainer, der sich artikulieren kann. Und noch zwei Überraschungen: Freiburg, das die zwei Auftaktspiele gewonnen hat, verloren zu Hause gegen Köln, und die Wolfsburger kommen ebenfalls als Heimmannschaft gegen Paderborn über ein Unentschieden nicht hinaus.