Die Wahrheit über den 32. Spieltag

Die Dortmunder Abwehr ist z.Z. immer für einen folgenreichen Schnitzer gut. Vor allem unter Druck schlingert sie manchmal wie bei schwerem Seegang und man stellt sich unwillkürlich vor, dass es für jede europäische Spitzenmannschaft eine wahre Freude wäre, gegen eine solche indisponierte Abwehr fröhlich Tore zu schießen, die man auch noch geschenkt bekommt. Bis zur 70. Minute machte Werder kaum einen Stich. Der BVB spielte überlegen gegen eine ersatzgeschwächte Bremer Elf. Pulisic, der für die gesperrten Reus und Wolf in die Starelf rückte, nahm sich bereits in der 6. Minute ein Herz und lief einfach in den Strafraum und schob den Ball am Torhüter vorbei ins Netz. Da sah alles noch leicht und schön aus. Und als Alcacer nach Foul an Pulisic den Strafstoß messilike verwandelte, ging bei dieser Überlegenheit, die sich in zahlreichen weiteren Chancen zeigte, kaum einer davon aus, dass noch etwas anbrennen könnte, vor allem als auch nach der Pause die Dortmunder weiter hoch überlegen spielten. Kaum einer rechnete mit den Dortmundern Blackouts, denn sonst wäre das Spiel ja auch nicht wirklich spannend gewesen, und spannend machen es die Dortmunder immer, nur leider nicht zu ihren Gunsten. Schon ab der 60. Minute zeichnete sich ab, dass die Dortmunder, verführt durch ihre Überlegenheit, die Sache nicht mehr so ernst nahmen. Die Spannung war weg und man schien zu glauben, dass man spielerisch und locker wie beim Training den Rest der Zeit über die Runden bringen könnte, vor allem, als das 3:0 durch Alcacer fiel. Aber dann wurde das Tor wegen des berüchtigten Millimeterabseits nicht gegeben. Kurz darauf wurden Möhwald und Pizarro eingewechselt, das Spiel begann langsam zu kippen, und man muss es Favre ankreiden, dass er darauf nicht bzw. zu spät reagierte. In der 70. Minute ließ Bürki dann einen Ball durch die Beine rutschen, was man als sogenannter Top-Torhüter erstmal schaffen muss, und nur weitere fünf Minuten später wollte Akanji unbedingt einen Ball ins Toraus trudeln lassen und stellte sich dabei so ungeschickt an, dass Augustinsson den Ball auf Pizarro zurücklegen konnte, der dann keine Mühe mehr hatte, den Ausgleich zu erzielen. Es mussten erst weitere wertvolle acht Minuten verstreichen, bevor Favre endlich reagierte, bevor er Bruun Larsen für Götze und Dahoud für Delany brachte, um ein bisschen offensiver zu werden. Philipp brachte er erst in der 90. Minute, wenn andere mit einer solchen Auswechslung auf Zeit spielen. Nach dem 2:2 war dann das Spiel offen und spannend, und sowohl der BVB als auch Werder hätten noch den Siegtreffer erzielen können, wobei die Bremer die beste Chance hatten. Aus den letzten vier Spielen hat Dortmund jetzt vier Punkte geholt, ein bisschen wenig für eine Mannschaft, der man immer noch nachsagt, sie spiele um die Meisterschaft, die rein theoretisch noch drin wäre, wenn Bayern aus den letzten beiden Begegnungen nur noch einen Punkt holt, was ebenso absurd ist wie die Annahme, der BVB würde die beiden Spiele gegen Düsseldorf und Mönchengladbach gewinnen. Dass das nicht der Fall sein wird, dafür sorgt die BVB-Hintermannschaft schon selbst auf verlässliche Weise.