Die Wahrheit über den 28. Spieltag

Von einer Demonstration der Stärke der Bayern war in allen Medien zu lesen und zu hören, in Wirklichkeit aber war es eine Demonstration der Schwäche des BVB. Nicht, dass die Bayern nicht gut gespielt hätten, aber sie fanden einen Gegner vor, der aus welchen unerfindlichen Gründen auch immer, völlig katastrophal spielte, wie Reus nach dem Spiel auch sofort zugab. Etwas anderes gab es auch nicht zu sagen, denn erst durch das schwache Dortmunder Spiel konnten die Bayern so auftrumpfen, eine Gelegenheit, die sie sich natürlich nicht entgehen ließen. Noch in der letzten Kolumne habe ich darüber gelästert, dass die Wolfsburger sich von den Bayern haben abfertigen lassen, während sie in Dortmund nahe dran waren, mit einer starken Leistung ein Unentschieden zu erzwingen, jetzt machten die Dortmunder es ihnen nach und zeigten damit, dass sie nahtlos an ihre schlechten Leistungen in den letzten Wochen anknüpften, während man als Fan immer hoffte, dass es die defensiv eingestellten Gegner wären, die die Dortmunder nicht ihre Glanzleistung abriefen ließen, und man sich gegen einen guten Gegner beweisen könne. Alles Makulatur. Von Anfang an hatte sich eine tiefe Verunsicherung über alle Dortmunder Spieler gelegt, und nur einmal blitzte so etwas wie Können auf, als Reus nach einem Steilpass von Bruun Larsen von der Torauslinie zurückpasste, aber Dahoud das riesige Tor nicht traf. Wäre das 1:0 gefallen, wäre es ein anderes Spiel geworden, sagten manche, die sich an einen Strohhalm klammerten, aber es wäre kein anderes Spiel geworden, denn Bayern spielte aggressiv, nah am Mann, mit Pressing, mit unbedingtem Willen. All das ließ der BVB völlig vermissen. Es gibt dafür ein paar Gründe, aber keine Erklärung: Dass Alcacer und der in den letzten Spielen beste Mann Guerreiro verletzt fehlten, dass der lange verletzte Piszczek statt Wolf spielte und aufgrund des Trainingsrückstandes mit dem schnellen Coman nicht mithalten konnte, dass Reus in der Spitze spielte und nicht auf seiner eigentlichen Position, dass Dahoud hinter den Spitzen spielte und ein Totalausfall war, dass Zagadou völlig von der Rolle war und Fehler um Fehler machte. Einiges davon ist Favre anzukreiden, der personell schon häufiger eher rätselhafte Entscheidungen getroffen hat. Aber es ist nicht das erste Mal, dass der BVB in München so untergeht, und auch Klopp und Tuchel kamen mit dem BVB dort unter die Räder, aber selten spielte eine Dortmunder Mannschaft in München so beteiligungslos, so völlig ohne Leidenschaft, was sich auch an der Laufleistung zeigte, als wollte man sich für das nächste Spiel schonen. Wenn ein schwaches Flämmchen der Hoffnung auf die Meisterschaft aufflammte nach dem schmeichelhaften 2:0 gegen Wolfsburg und dem unverhofften 1:1 der Bayern in Freiburg, dann war sie schnell wieder gelöscht. Jetzt muss der BVB aufpassen, in den restlichen Spielen nicht unter die Räder zu kommen und den Leipzigern noch Platz 2 abzutreten, denn das Restprogramm hat es in sich. Zunächst geht es gegen Mainz, die 5:0 in Freiburg gewonnen haben. Nicht anzunehmen, dass dieses Spiel ein Selbstläufer wird. Immerhin gibt es auch zwei schöne Ergebnisse an diesem trüben Spieltag, ein 2:1-Sieg der Frankfurter auf Schalke in der Nachspielzeit und ein 2:1-Sieg von Düsseldorf in Berlin, aber schon sechs Spieltag vor Saisonende ist es nicht nur im Kampf um den Abstieg, sondern auch um die Meisterschaft wieder so langweilig geworden wie immer.