Die Wahrheit über den 25. Spieltag

Nach dem Desaster in Augsburg schien es plöztzlich nicht mehr unmöglich, dass der BVB auch zu Hause gegen Stuttgart Federn lassen würde. Und genauso sah es zunächst auch aus. Wieder rannten die Dortmunder an, schnürten den Gegner ein, kombinierten, aber eine richtige Torchance sprang nicht heraus. Und als es nach einer Stunde immer noch 0:0 stand, schwand zunehmend die Hoffnung, dass sich daran noch etwas ändern könnte, bis Sancho in den Strafraum dribbelte und vom Ex-Kollegen Castro gefoult wurde, aber wenn der großzügige Referee nicht einen Tip aus Köln bekommen hätte, wäre den Dortmundern wie auch ein weiteres Mal in der Partie der Elfer versagt worden. So schoss Reus das erlösende 1:0. Eine Stunde hatten die Dortmunder für das Tor gebraucht. Stuttgart brauchte zehn Minuten, dann stand es nach einem Standard und nach einem katastrophalen Stellungsfehler 1:1 und alles konnte von neuem beginnen. Der 2. Treffer für die Borussia entstand aus dem Gewühl heraus, und nur das 3:1 war endlich wieder mal das Ergebnis einer wunderschönen Kombination. Die Mühe, die es dem BVB z.Z. bereitet, ein Spiel gegen eine nominell schwache Mannschaft zu gewinnen, der es per Kampfgeist gelingt, die Dortmunder in die Bredouille zu bringen, lässt einen ziemlich skeptisch werden, vor allem, wenn willenlose Wolfsburger sich von Bayern mit 6:0 abfertigen lassen, was schon an Wettbewerbsverzerrung grenzt, denn so schlecht dürfte die VW-Truppe nicht mal in der Regionalliga spielen, um nicht stark abstiegsgefährdet zu sein. Jetzt hat Bayern dank des um zwei Tore besseren Torverhältnisses die Nase wieder vorn, die ihre Schwächephase zum richtigen Zeitpunkt hatten, die Dortmunder zum falschen. Aber immer noch hat der BVB 11 Punkte Vorsprung vor Gladbach, die auf Platz 3 stehen und hat sich so gut wie sicher für die CL qualifiziert, was ja schon längst das Wesentliche ist für einen Verein. Zudem geht es Dortmund im Vergleich immer noch gut, denn auch Klopps Liverpool hat einen 7-Punkte-Vorsprung in der Premier-League verspielt und ihm droht zudem mit ziemlicher Sicherheit das Aus bei den Bayern in der CL, so dass sich die Reds dann zu den großen Vereinen zählen dürfen, die in der CL schon im Achtelfinale ausgeschieden sind, wie Real Madrid und Paris. Und das ist bei diesen Mannschaften besonders schön, denn es zeigt die schöne Unberechenbarkeit des Spiels, die noch jede von Geld gesteuerte Planung durchkreuzt. Real Madrid steht jetzt sogar vor einem Scherbenhaufen, weil der machtbesessene Präsident Perez nach dem peinlichen 4:1 gegen Ajax Amsterdam die Mannschaft zusammenstauchte und jetzt Ramos mit einem Rausschmiss drohte, weil der ihm Widerworte gegeben hatte. „Dann zahl mich aus und ich bin weg“, hatte der mit einem mehrjährigen Vertrag ausgestattete Ramos gesagt und man darf gespannt sein, ob Perez sein letztes Alpha-Tierchen wird ziehen lassen. Da sind die Probleme des BVB doch fast schon peripher. Dort gibt es zwar Watzke, der angeblich sogar ganz gut mit Perez kann, was einen nicht wirklich wundert, der aber zumindest weiß, dass er mit dem Stil den Verein vor die Wand fahren würde, was in gewisser Weise der Vorteil eines sauerländischen, bodenständigen Unternehmers ist, gleichzeitig aber bedeutete, dass es das große Drama, das in Madrid gerade aufgeführt wird, in Dortmund nicht geben wird. Tatsächlich gab es das ja schon mal. Damals aber gewann man die CL. Ein paar Jahre später war man pleite. Heute wird einem weder das eine noch das andere passieren.