Die Wahrheit über den 23. Spieltag

Nachdem die Dortmunder wegen ihrer sorglosen Art, sich Tore zu fangen, im letzten Spiel in Nürnberg vor allem darauf bedacht waren, sich keinen Konter einzufangen, worunter dann allerdings auch die Offensive litt, die zwar engagiert, aber ohne Ideen spielte, auch irgendwie gebremst, nie wirklich befreit, nachdem den Dortmundern also zuletzt nur ein torloses Remis gelang, da war es amtlich: der BVB steckt in der Krise nach dem dritten Unentschieden in der Liga. Ist es wirklich nur deshalb, weil Reus fehlt, ist er wirklich, wie Watzke sagte, so unersetzlich wie Messi für Barcelona, der in Sevilla drei Zaubertore machte? Oder liegt es an der Unerfahrenheit der Spieler, die einen Leistungsknacks nicht so gut wegstecken können wie die Routiniers aus Bayern, die zwar schlecht spielten, aber trotzdem 1:0 gegen Hertha gewannen? Wahrscheinlich ist es so. Jedenfalls können die Dortmunder den Ausfall ihrer Routiniers wie Reus und Piszczek weniger gut verkraften als die Bayern, die sowieso nur Routiniers in ihrer Mannschaft haben. Und vor allem haben jetzt alle Mannschaften das Erfolgsrezept der Dortmunder entschlüsselt, sie wissen, dass man einen Sancho erst gar nicht zur Entfaltung kommen lassen darf, dass man die Räume so verdichten muss in einer disziplinierten Verteidigung, dass man dem Gegner das Gefühl gibt, auf Granit zu beißen, aber auch Tottenham wusste, wie man den Dortmundern zu Leibe rücken kann, nämlich durch ständiges Pressing, das die Dortmunder in der Liga nicht gewöhnt sind, wo sich der Gegner in der eigenen Hälfte einigelt. Eigentlich schade. Es hätte ein schöner Traum sein können, auch wenn das eigentliche Wunder darin besteht, dass Dortmund mit dieser Mannschaft überhaupt so weit kam. Aber vielleicht hilft es noch ein bisschen, wenn der BVB sich demnächst ganz auf die Liga konzentrieren kann. Das kurzzeitig als Mitfavorit um den Titel geltende Gladbach geht es wesentlich schlechter. Schon zum 2. Mal in Folge verloren sie ihr Heimspiel, diesmal gegen Wolfsburg, vor denen man sich eigentlich nicht zu fürchten braucht, aber wie das manchmal eben so ist, ging alles schief. Gladbach machte das Spiel, Wolfsburg die Tore, womit wieder einmal bewiesen wäre, dass es im Fußball alles andere als gerecht zugeht. Gerecht und sehr logisch hingegen verlief das Spiel der Schalker in Mainz, wo die Blauen sang- und klanglos mit 3:0 untergingen, nachdem jeder schon dachte, das kurze Aufflackern gegen Manchester City, gegen die man zwei Elfer verwandelte, auch wenn man 3:2 verlor, würde sich vielleicht in der Liga positiv auswirken. Diese schwache Hoffnung zerstob schnell und verwandelte sich kurz vor Spielende in einen Scherbenhaufen, als durchsickerte, dass Sportdirektor Heidel seine Mission offenbar als gescheitert ansah und gekündigt hatte. Er will seinen Sessel räumen, sobald Schalke Ersatz gefunden hat. Und der Ersatz, für den die Grinsekatze Olaf Thon eigentlich prädestiniert wäre, weil er schon als »Experte« sein fußballerisches 08-15-Wissen unter Beweis gestellt hat, wird tun, was alle tun würden, nämlich Tedesco entlassen. Und das wäre vermutlich nicht mal falsch. Freiburg hingegen hatte zu Hause mit einem 5:1 gegen den direkten Konkurrenten um die unteren Tabellenplätze Augsburg einen glanzvollen Auftritt. Besonders spannend dürfte es im Kampf um den Abstieg nicht mehr werden, denn Nürnberg schaffte es nicht, sein Abwehrbollwerk in Düsseldorf ähnlich effektiv zu gestalten wie gegen den BVB und verlor 2:1. Und Hannover ist auch mit von der Partie.