Die Wahrheit über den 20. Spieltag

War es schon vorher klar, dass es in Frankfurt nicht einfach werden würde, auch wenn die Eintracht in Bremen nur ein Remis zustande brachten und am Ende der Vorrunde schwächelten, so fanden die Frankfurter im BVB eine echte Herausforderung, die sie gerne annahmen, indem sie ihr besten Spiel der Saison ablieferten. Immer wieder setzten sie der Dortmunder Abwehr zu, der unter Druck dann eben Missverständnisse unterliefen wie zwischen dem ansonsten sehr zuverlässigen und zweikampfstarken Weigel und Diallo. Aber Rebic konnte die Chance, als er plötzlich allein vor Bürki stand, nicht verwerten. Es war nur eine von ein paar hochkarätigen Chancen, die die Einrtachtstürmer liegen ließen, was sie eigentlich sonst nicht tun, denn nicht umsonst haben sie ebensoviele Tore erzielt wie Dortmunds Stürmer. Aber nach den ersten zehn Minuten konnten sich die Dortmunder von der Umklammerung befreien und hatten die Gelegenheit, ihrerseits mehrere Großchancen zu versieben. Vor allem Reus zeichnete sich in dieser Kunst aus. Er schoss zwar das 1:0, aber wem das Tor eigentlich gebührte, das machte Reus selbst durch Gesten deutlich, denn dem Treffer war ein sehenswertes Dribbling Guerreiros vorausgegangen, der sich durch die Frankfurter Abwehr tankte, dabei noch den Überblick behielt und im richtigen Moment den Ball zu seinem Nebenspieler schob, der nur noch den Fuß hinhalten musste. Reus lief kurz darauf noch einmal allein auf Frankfurts Torhüter Trapp zu, setzte den Ball aber neben den Pfosten, aber als er eine flache von Alcacer in den Rückraum geschlagene Flanke genau ins rechte obere Toreck setzen wollte und nur die Latte traf, da konnte man schon fast von Fahrlässigkeit sprechen. Die erste Halbzeit war ein unglaublich intensives, ein grandioses Fußballspiel, und dass den Dortmundern alles abverlangt wurde, ist vielleicht nicht schlecht, denn dadurch merken sie, dass sie eben immer alles geben müssen, dass ihnen nichts in den Schoß fällt, denn irgendwie scheinen sie die Gabe zu besitzen, das beste aus dem jeweiligen Gegner herauszukitzeln. Selbst gegen den Club vor einer Woche war das so, auch wenn der dann nach einer Stunde aufgab. Schade, dass Reus seine Chancen verdattelte, denn Man hätte sich noch deutlicher von den Münchnern absetzen können. Am Ende waren beide Mannschaften zufrieden, vor allem deshalb, weil die Bayern in Leverkusen mit 3:1 verloren hatten, nachdem sie 1:0 führten, weshalb die Bayern nicht wie gefürchtet dem Tabellenführer näher kamen, sondern der BVB seinen Vorsprung sogar noch ausbauen konnte, wenngleich auch nur durch einen Punkt. Der Gewinner des Abends waren die Gladbacher, die gegen verbissene und uninspirierte Schalker auswärts mit 2:0 gewannen und sich dadurch an den Bayern vorbei sogar auf Platz zwei schoben. Die grandiose Schnapsidee der Hannoveraner Vereinsführung, Thomas Doll als Retter des Vereins zu engagieren, ging voll auf, denn Doll, der schon vor langer Zeit in Dortmund seine Unfähigkeit unter Beweis gestellt hatte, eine Mannschaft zu Höchstleistungen zu führen, blieb seinem Ruf treu. Die Aufbruchstimmung, die er zu verbreiten suchte, kippte bei einem blutleeren Auftritt zu Hause gegen Leipzig um in Resignation und Verzagtheit. Es gibt also nichts neues unter der Hannoveraner Fußballsonne, außer eine neue Ratlosigkeit, die die alte ist.