Die Wahrheit über den 19. Spieltag

Für Hannovers Trainer Breitenreiter war das Spiel in Dortmund eine mission impossible, denn das Auftreten seiner Manschaft wurde von den Verantwortlichen zur Bedingung für seine Weiterbeschäftigung gemacht. Schon nach dem letzten Spiel wurde öffentlich über den Trainerwechsel gesprochen, was Breitenreiter nicht sonderlich hilfreich für seine Arbeit empfand. Dennoch ist die Situation nicht eindeutiger geworden, denn trotz der deutlichen 5:1-Niederlage der Niedersachsen, hatten die Sechsundneunziger eine Stunde lang den Dortmundern Paroli geboten und in dieser Zeit hatte man nicht den Eindruck, Hannover sei die schlechtere Mannschaft, im Gegenteil, man konnte sich nie sicher sein, ob die knappe 1:0-Führung durch Hakimi in der 24. Minute wirklich ausreichen würde, denn Hannover hatte durchaus Chancen, und wenn Bürki auf der Linie zur Zeit nicht so gut in Form wäre, hätten die Hannoveraner bereits in der 2. Minute geführt. Es war also durchaus ein Spiel, in dem den Dortmundern so ziemlich alles abverlangt wurde, und man konnte sich zunächst nicht vorstellen, dass Hannover nur auf dem 17. Platz stand. Jedenfalls gaben sie alles, und sie gaben es für ihren Trainer. Bei Dortmund hingegen klappte unter Druck nicht viel, und wenn Piszczek nicht so grandios gespielt hätte mit zwei genialen Vorlagen, die Reus und Guerreiro allerdings nicht verwerten konnten, dann hätte es optisch noch schlechter ausgesehen. Aber nach genau einer Stunde, verlor Hannovers Verteidiger Albornoz den Ball völlig unnötig an Hakimi, der aus einer Entfernung von guten zwanzig Metern angebraust kam – was wie absurder Übereifer aussah –, den Ball eroberte und überlegt auf Reus passte, der den Ball kunstvoll wie eine Billardkugel am Torwart vorbei ins Tor bugsierte. Danach brach Hannover ein. Sancho auf Götze und Reus auf Guerreiro, fast zwei identische Tore, und das Spiel war gelaufen. Dennoch ließ sich Hannover nicht hängen und erzielte noch den Anschlusstreffer, einen abgefälschten Schuss von Bakalorz, nachdem er fast von der Mittellinie bis fast zum Sechzehner gelaufen war. Das ärgerte die Borussen dann doch so sehr, dass Witsel in der 90. noch mit einem sehenswerten Fernschuss den Endstand herstellte. Breitenreiter schien ganz zufrieden zu sein, wenigstens konnte er sich mit einer guten Leistung verabschieden: »Es geht jetzt nicht um mich, sondern darum, den Verein vor dem Klassenerhalt zu bewahren«, sagte er hinterlistig und setzte damit die Schlusspointe, denn auch ein anderer Trainer wird die Hannoveraner nicht retten können. Leider war es für den BVB nur ein Pflichtsieg, denn auch Gladbach gewann, und es lässt sich kaum davon ausgehen, dass die Bayern im Sonntagsspiel gegen Stuttgart verlieren werden. Erstaunlicherweise gewann Bosz mit Leverkusen in Wolfsburg souverän mit 3:0. Aber das hatte er auch Anfang der letzten Saison mit Dortmund. Man darf gespannt sein, ob sich auch alles andere wiederholen wird. In einer mitreißenden Partie trennten sich Bremen und Frankfurt mit einem 2:2. Es wird also in einer Woche nicht ganz so einfach sein, in Frankfurt zu gewinnen, wenn der BVB dort antreten muss, denn im Unterschied zur Hinrunde, als die Eintracht völlig von der Rolle war, gehören sie zu den Anwärtern auf einen internationalen Platz und haben mit Haller, Jovic und Rebic drei richtig gute Stürmer.