Die Wahrheit über den 18. Spieltag

Im Vorfeld des Spieltags stand in der FAZ ein großes Interview mit Marco Reuss, der auf Nachfrage sagte, dass er nie zu Bayern wechseln würde, eine Nachricht, die groß aufgeblasen wurde, obwohl Reuss selbst darauf hinwies, dass er als fast Dreißigjähriger wohl kaum bei der von den Bayern geplanten Verjüngungskur in Frage kommt. Und der FAZ-Redakteur Horeni fragte weiter, ob Reuss durch seine Führerscheinaffäre von Löw nicht mindestens zwei bis drei Spiele hätte gesperrt werden müssen, weil er seinen Vorbildcharakter für die deutsche Jugend verletzt habe. Man ist bei solchen Gelegenheiten doch immer wieder erstaunt, was Reporter so umtreibt, die wie die AfD reden, ohne es zu merken, vermutlich weil ihnen die anspruchslose und simple Argumention, bei der sich alles über den deutschen Leisten schlagen lässt, ihrer Auffassungsgabe entgegenkommt, denn selbstverständlich entgeht ihnen natürlich, dass die Spieler der Jugend nicht etwa vermitteln, ohne Führerschein zu fahren, sondern an der Spielkonsole zu daddeln und auf Fortnite zu ballern, was das Zeug hält. Sonst aber war der Spieltag ganz wunderbar, weil trotz kurzfristiger Verletzung von Reuss die Dortmunder in einem rasanten Spiel nun auch in Leipzig bestanden und den überengagierten und von Rangnik bis in die Haarspitzen motivierten RBlern die erste Heimniederlage zufügten. Die Dortmunder ließen sich nicht von der Hektik, die die Leipziger zu entfachen versuchten, anstecken, und dennoch wurde es ein sehr enges Spiel auf kleinem Raum, weil jeder versuchte, die Räume um den Ball einzuengen und durch ständige Eroberungsversuche des Balles sich Vorteile zu verschaffen. Aber auf engem Raum konnten die Dortmunder ihre technische Überlegenheit durch schnelle Kombinationen ausspielen, und einige Male gelang es ihnen, schnell in die Spitzen zu spielen, aber der wuchtige und schnelle Upamecano vereitelte immer wieder gefährliche Situationen im letzten Moment. Das Spiel hätte einige Tore mehr verdient, aber auf beiden Seiten ließ man großzügig die Chancen aus, die sich boten, so dass der wunderschöne Schuss Witsels aus dem Stand heraus an die Unterkante der Latte mitten im Strafraumgewühl nach einer Ecke von Guerreiro der einzige Treffer bleiben sollte. Dennoch gibt es bei den Dortmundern einiges zu bemängeln, zum Beispiel an Bürki, der zwar ein paar tolle Paraden zeigte und deshalb auch gleich zum besten Spieler des BVB gekürt wurde, aber der eine der größten Chancen der Leipziger selbst generiert hatte, als er ausrutschte und den zurückgepassten Ball nicht traf, eine Gelegenheit, die sich eine etwas bessere Mannschaft nicht hätte entgehen lassen. Vor allem aber kam keiner der lang nach vorne geschlagenen Bälle beim eigenen Mann an, was wirklich eine Leistung ist, die ihm so schnell niemand nachmacht. Und auch der Reuss-Ersatz Philipp enttäuschte nicht nur, weil er die riesige Chance zum 2:0 versiebte, auch sonst spielte er unglücklich und dürfte wesentlich an den schlechten Zweikampfwerten der Dortmunder mit einer Quote von 44 % beteiligt gewesen sein. Jedenfalls war der Sieg des BVB sehr wichtig, weil Bayern schon am Freitag in Hoffenheim souverän mit 3:1 gewonnen hatte und zur Jagd auf die Dortmunder geblasen hatte, wobei man sich in der nun eröffneten 2. Saisonhälfte nicht allzu viele Ausrutscher wird erlauben dürfen, denn Bayern macht wieder einen sehr stabilen Eindruck. Peter Bosz ist wieder in die Liga zurückgekehrt und hat mit Leverkusen auch gleich sein erstes Spiel gegen Gladbach verloren. Ob es diesmal klappt mit seinem Offensivsystem? Man darf gespannt sein.