Die Wahrheit über den 17. Spieltag

Nachdem es die Dortmunder in Düsseldorf erwischt hatte und sie ihre erste Niederlage hinnehmen mussten, ging mir wieder die Szene aus »Farewell my lovely« durch den Kopf, als Mitchum alias Philipp Marlowe mit seinem Zeitungshändler und Freund wettet, wie lange die unglaubliche Siegesserie von Joe DiMaggio noch anhalten würde, die ihm die Gunst sogar von Marylin Monroe einbrachte. Während des ganzen Films eilt DiMaggio von Sieg zu Sieg, aber als der Fall gelöst war, schnappt sich Marlow nach einem anstrengenden Tag eine herumliegende Zeitung und erfährt von der ersten Niederlage seines Helden, ausgerechnet gegen zwei mittelmäßige Spieler, wie man aus dem Off erfährt. Und genau das denke ich auch immer, wenn es gegen solche Gegner wie Düsseldorf geht, bei denen sich fast jede Mannschaft bedient, und dann kommt einmal ein vernünftiger, attraktiver, glamouröser Gegner vorbei und schon geben alle Spieler 200 Prozent, als ob es um ihr Leben ginge, denn das ist es schließlich, das sie ihren Enkeln mal erzählen können, dass sie gegen den großen BVB gewonnen haben. Gegen Gladbach musste man sich hingegen weniger Sorgen machen, denn bei denen ging es nur darum, vielleicht auf drei Punkte an die Dortmunder heranzukommen, d.h. sie konnten sich nicht hinten reinstellen und sich vorne auf eine schnelle Spitze und eine schlafmützige BVB-Innenverteidigung verlassen. Leider wurde das Spiel weit weniger attraktiv als gedacht, vielleicht weil beide Mannschaften doch ziemlich ersatzgeschwächt in das Spiel gingen, weil beide Spielsysteme auf kontrollierte Offensive setzten, und natürlich auf Ballbesitz. Wie der Gladbach-Trainer Hecking am Ende durchaus richtig sagte, der Unterschied bestand darin, dass Gladbach mehr Fehler machte und Dortmund daraus resultierend mehr Möglichkeiten besaß, wie Reus in der 20. Minute nach einer genialen Kombination, der an Sommer scheiterte, den er aber hätte machen müssen. Dafür war es wieder einmal Sancho, bei dem es aussah, als würde er ausgerechnet in aussichtsreicher Situation das Spiel verzögern, so dass sich die Gladbacher wieder ordnen konnten, aber selbst das scheint ihn nicht aufzuhalten. Eine Finte, ein schneller Antritt und aus spitzem Winkel das überraschende 1:0. Dieser Mann ist so gut, dass er nicht mehr lange beim BVB spielen wird, und das ist schade. Merkwürdig hingegen der Formverfall von Pulisic, dem nichts mehr zu gelingen scheint. Jedenfalls ist es nicht gut, wenn die Leistung einer Mannschaft so stark von einer Person abhängt. Und sie tut das viel mehr von Sancho als von Reus, den viele für den Spieler den Hinrunde halten, aber Reus bleibt wie ein normal Sterblicher immer wieder hängen, versiebt Chancen und ist jetzt nicht wirklich so schnell, dass gegnerische Spieler nicht mitkommen würden. Das ist zwar eine Klage auf hohem Niveau, aber Sancho vollbringt Dinge, denen man auch bei näherem Hinsehen nicht auf die Schliche kommt, dabei ist er schnell und kann Gegner auf sich ziehen und sie wie Statisten stehen lassen, als würde er zur Familie der Incredibles gehören. Erst an ihm sieht man, wie schlicht die anderen spielen, wie weit selbst ein Schmelzer oder Pisczcek dahinter zurückbleiben, selbst wenn sie einen guten Tag haben. Allerdings scheint die Zeit von Schmelzer tatsächlich abgelaufen zu sein, denn Hakimi ist in seinen Vorstößen um einiges gefährlicher und rennt nicht nur mit dem Ball nach vorne, nur um beim ersten Gegner abzustoppen und den Ball wieder zurückzuspielen. Leider ist Hakimi von Madrid nur ausgeliehen und wird bei seinen Leistungen wohl kaum loszueisen sein. Und was macht Frankfurt? Schon wieder verloren. Diesmal auch noch gegen Bayern. Wenn das mal keine Wettbewerbsverzerrung ist. Die Eintracht sollte dringend seinen Trainer entlassen.