Die Wahrheit über den 15. Spieltag

So wie die Werderaner im Westfalenstadion auftraten, kann man kaum glauben, dass sie nur 21 Punkte auf dem Konto haben, und auch nicht, dass sie zwar zuletzt gegen Düsseldorf gewannen, die fünf Spiele davor aber nicht. Sie traten nicht so auf, als ob sie einfach nur eine Niederlage verhindern wollten. Und waren dadurch für die schnellen Stürmer des BVB anfällig. Und es ging auch bald zur Sache, denn schon in der 11. Minute wurde Reus klar im Strafraum gefoult, aber der Schiedsrichter, der offensichtlich etwas gegen die Schwarzgelben hatte, winkte sofort ab. Zwar kann man ein Foul übersehen, selbst wenn man in unmittelbarer Nähe steht, aber wofür wurde dann der Videobeweis eingeführt? Bei der anschließenden Zeitlupe war für jeden ersichtlich, dass Klaassen Reus am Fuß erwischt hatte. Kurz darauf hatte Alcacer per Lupfer eine große Chance, aber wieder war es Klaassen, der den Ball noch von der Linie wegkratzte, sich dabei aber so verletzte, dass er kurze Zeit später vom Feld gehen musste. Der für ihn eingewechselte Möhwald beging auch gleich ein Foul an Reus. Der Freistoß war eine sehr lustige noch nie gesehene Variante, bei der Guerreiro den Freistoß zunächst antäuschte, so dass jeder dachte, Reus würde stattdessen schießen, während der zunächst ins Leere gelaufene Guerreiro umdrehte und den Freistoß nun doch ausführte, was die Bremer offensichtlich so verwirrte, dass niemand in den nun völlig verwaisten Strafraum mitlief, wo Alcacer per Kopfball zum 1:0 einnickte. Aber auch dieser Treffer sollte wegen Abseits nicht gegeben werden. Diesmal allerdings hatte der Videomann ein Einsehen und gab dem Schiedsrichter den richtigen Tipp. Ein schneller Angriff auf den anderen rollte auf die Werderaner Abwehr zu, die einige Chancen zwar vereiteln konnte, aber viele eben auch nicht, so dass der BVB viel mehr Tore hätten schießen müssen als die zwei, die am Ende an der Tafel standen. Und als der überragende Kruse mit einem Glücksschuss, der bei einem Könner wie ihm nicht wirklich ein Glückschuss war, auf 2:1 herankam, ließ einen der BVB bis zum Schluss bangen, ob nicht doch noch irgend ein krummes Ding reingehen würde. Retrospektiv sieht man zwar sofort, dass der Sieg der Dortmunder mehr als verdient war, aber bei einem so knappen Vorsprung muss man immer mit allem rechnen. Und auch wenn das wahrscheinlich alle auf dem Rasen wissen, gerieten die Dortmunder deshalb nicht in Hektik wie in der letzten Saison, sondern blieben cool und konzentriert bis zum Spielende. Bis zum Schluss setzten die Bremer die Dortmunder unter Druck, die sich immer wieder spielerisch befreiten und nicht einfach nur den Ball nach vorne bolzten. Der BVB hat wieder ein Zeichen gesetzt für das schöne Spiel. Schnelle, scharfe und direkte Pässe sind das Markenzeichen. Dafür stehen vor allem Reus, Sancho, der auch diesmal wieder eine Vorlage beisteuerte, und Alcacer, der bereits sein 11. Tor schoss, und auch Guerreiro sieht man an, dass er unbedingt wieder in die Startelf zurückkehren will. Es ist ein großer Genuss, dieser Elf zuzusehen, die jetzt 9 Punkte Vorsprung auf den 2. Gladbach hat, denn die »Fohlen« holten in Hoffenheim durch ein glückliches torloses Remis nur einen Punkt. Ins Westfalenstadion kehrte der an Bremen verkaufte Nuri Sahin zurück und wurde von der Südkurve wie ein verlorener Sohn gefeiert, und das war mal wieder ein schöner Moment für Nostalgiker wie mich.