Die Wahrheit über den 10. Spieltag

Die FAS war voll des Lobes über das Dortmunder Spiel in Wolfsburg und sah den unbedingten Willen zu gewinnen am Werk, eine erfrischende Offensive und einen nie nachlassenden Torhunger, auch wenn das Spiel schon entschieden ist. Angesichts des mageren und in einigen Situationen durchaus gefährdeten 1:0-Sieges sieht die Bewertung ein wenig optimistisch aus, denn auch wenn Wolfsburg nie wirklich vorne gefährlich war, sie waren ansonsten durchaus in der Lage mitzuhalten und vor allem in der Verteidigung standen sie sicher, ohne einfach nur zu mauern. Immerhin war Alcacer fast unsichtbar und Sancho hatte in Roussillon einen Gegenspieler, der genauso schnell war, weshalb das neue englische Wunderkind irgendwann auf die andere Seite auswich und von dort auch die entscheidende Flanke schlug, die Delaney neben das Tor geköpft hätte, wenn nicht zufällig Reus in der Nähe gestanden wäre und nur den Kopf hinhalten musste. Ein Zufallstreffer also, wie das ja meistens der Fall ist, wenngleich man dem Zufall natürlich ein wenig auf die Sprünge helfen kann. In der Schlussphase, als Wolfsburg gezwungen war, alles auf eine Karte zu setzen, ergaben sich dann zwar noch zwei Großchancen, aber sowohl Reus als auch Bruun-Larsen vergaben sie alleinstehend, weil sie zu viel Zeit hatten darüber nachzudenken, wie sie den Ball am besten verwerten könnten. Das Spiel war also kein Selbstläufer, sondern durchaus ein Spiel auf Augenhöhe, was bei Wolfsburg etwas erstaunt, denn vor der Niederlage gegen den BVB hatten sie mit jeweils drei Siegen, Niederlagen und Remis eine ausgeglichene, also eher mittelmäßige bis durchwachsene Bilanz. Wenn man also nach der Statistik geht, wäre Wolfsburg kein Gegner gewesen, den man hätte fürchten müssen. Trotzdem hat der BVB gut gespielt, aber man merkt so langsam die Belastung der englischen Wochen. Man kann eben nicht immer auf einem so hohen Niveau spielen wie gegen Athletico Madrid, wo der BVB letztlich auch mit Glück gewonnen hat. Und auch die Rotation birgt Gefahren, wie man im Pokal gegen Union gesehen hat, als man erst am Ende der Nachspielzeit durch einen Elfer die Partie für sich entscheiden konnte. Die Erfolgswelle, auf der der BVB also gerade schwimmt, ist eine wackligere Angelegenheit, als manche annehmen. Der zweifellos mutige Schritt des BVB, die Mannschaft derart radikal umzumodeln, scheint aber erstmal gelungen zu sein, und zwar erstaunlich schnell, was die Rede vom langdauernden Prozess einer Neuformierung ad absurdum führt. Und umgekehrt kann man ebenso schnell wieder aus einem Formtief kommen. Damit haben Real Madrid und Bayern gerade zu kämpfen, die nach einer langen Erfolgsphase eine überalterte Mannschaft nicht rechtzeitig verjüngt haben. Jetzt schalten sich sogar Spielerfrauen ein und mäkeln an der Arbeit von Kovac herum, in diesem Fall von Müller, dessen Einwechslung in der 70. Minute spöttisch als lang überfälliger »Geistesblitz« kommentiert wurde. Zu Hause nach einer 1:0-Führung gegen Freiburg noch den Ausgleich hinnehmen zu müssen, öffnet in einem Verein wie Bayern alle Türen für Neid, Missgunst und Häme. Dass Kovac das jetzt ausbaden muss zusammen mit den ziemlich lächerlichen Drohungen der langsam selber ein wenig überalterten Vereinsführung gegen eine den Bayern angeblich übel gesinnte Presse, ist hart, aber nicht wirklich etwas, dass einen Tränen in die Augen treibt.