Die Wahrheit über den 9. Spieltag

Irgendwann musste es so kommen. Das Glück, das den BVB in den letzten Wochen begleitet hatte, war aufgebraucht, aber dass es sich ausgerechnet im Spiel gegen Hertha abwendete, war doch etwas bitter, weil man nicht gern gegen einen Club verliert, der dafür wirbt, dass man in Berlin »alles« sein darf, sogar Fan von Hertha BSC. Diesmal haben die Blauweißen in der Nachspielzeit das Spiel noch gedreht durch einen von Zagadou verursachten Elfmeter, als er sich mehr als ungeschickt in einem eigentlich schon gewonnenen Zweikampf gegen Selke anstellte. Aber auch das erste Tor der Hertha war einem krassen Fehlpass von Dahoud geschuldet, bei dem Piszczek seinen Anteil hatte, weil er dem Pass nicht entgegen lief, was für die Spielweise der Dortmunder eher ungewöhnlich ist. Und dann gab es auch noch die Erbsenzähler in Köln, die per Videobeweis ein wunderschönes Hackentor von Sancho aberkannten, weil Reus mit der Fußspitze im Abseits gestanden haben soll. Würden sich diese Leute immer so akribisch einmischen, käme überhaupt nichts mehr zustande. Durch solche absurden Entscheidungen arbeiten sie hart daran, das schöne Spiel zu zerstören. Aber selbst das war nicht unbedingt allein entscheidend für das schmeichelhafte 2:2 der Hertha, die zwar ungewöhnlich konzentriert und präzise spielten, also über ihre Möglichkeiten, was die meisten Vereine tun, wenn sie gegen Dortmund spielen, entscheidend war, dass die Dortmunder einige Großchancen versiebten, wie z.B. Guerreiro, der allein vor Jarstein es mit einem Lupfer probierte und scheiterte, oder Bruun Larsen, der ungehindert eine flache Hereingabe nicht verwerten konnte. Mit diesen Treffern wäre die Partie entschieden gewesen, aber so kam es, wie es kommen musste, nämlich dass dem ansonsten überragenden Zagadou ein Patzer unterlief. Aber nach der letztlich auch glücklichen 4:0-Gala gegen Athletico Madrid kann man nicht erwarten, dass es immer so weitergeht, wichtig ist nur, dass der BVB gerade so ziemlich den attraktivsten Fußball in Europa spielt. Das anerkannte sogar Simeone, dessen Job als Trainer von Athletico nicht gerade darin besteht, hingerissen vom Spiel die Dortmunder über den grünen Klee zu loben. Eine schlechte Figur machte nur der BVB-Chef Watzke, der in einem Interview mit dem Sportstudio sich in selbstgefälliger Bescheidenheit übte und auf unangenehme Weise alles schon vorher gewusst haben wollte, vor allem aber dadurch unsympathisch erschien, weil er in merkwürdiger Unterwürfigkeit das absurde Medien-Bashing der Bayern-Bosse unkommentiert ließ und einem dabei das Gefühl beschlich, dass er dem autoritären Zusammenstauchen der Medien im Stile des bayrischen Alleinherrschers Franz Josef Strauß durchaus etwas abgewinnen konnte. Und in diesem Stil würde vermutlich auch Watzke gerne regieren, umgeben von ein paar Beratern, mit denen es »wahnsinnig Spaß macht«, kontrovers zu diskutieren. Die hässliche Seite des Fußball als bloße Vermarktungsmaschine wird dabei nur noch von einer anderen häßlichen Seite gestört, nämlich den Hooligans, die im Hertha-Block sich mit der Polizei prügelten, wobei diese Fans, die sich prügeln müssen, weil sie sonst nichts mehr spüren, gleichzeitig gebraucht werden, weil sie in den Worten Wolfgang Pohrts »so was wie der Dreck sind, an welchem der Saubermann zeigen kann, dass er einer ist«. Diesmal durfte Michael Preetz in dieser Rolle brillieren.