Die Wahrheit über den 6. Spieltag

BVB Boss Watzke geht das alles zu schnell, wie er nach dem Spiel seiner Mannschaft in Leverkusen zu Protokoll gab. Erst würde gesagt, dass die Mannschaft ja nicht gerade prickelnden Fußball spielen würde und nun wäre auf einmal alles ganz anders. Aber nicht für Watzke ist es ein unerklärliches Rätsel, warum die Mannschaft plötzlich einen fast sensationell zu nennenden Fußball spielt. In Leverkusen lag sie bis zur 68. Minute 2:0 zurück und nur noch unverbesserliche Optimisten glaubten an eine Wende. In der ersten Halbzeit jedenfalls versuchte man aus einer gesicherten Abwehr heraus zu spielen, was nicht ganz einfach war, weil die Viererkette neu formiert worden war und Diallo für Schmelzer spielte, Hakimi wie schon gegen Nürnberg auf der rechten Seite, und zwar so, dass es für Pisczcek schwer werden dürfte auf Dauer seinen Platz zu verteidigen. Aber diese Spielweise fruchtete nicht viel, denn nach einem Glückschuss von Weisser und nach einem Chaos im Dortmunder Strafraum stand es 2:0 und was viel schlimmer war, Leverkusen kombinierte auch viel besser und schien besser in den Zweikämpfen zu sein. Aber dann plötzlich platzte der Knoten, und zwar genau mit der Einwechslung von Sancho für Pulisic. Der wurde gleich von Bürki angespielt, und dann ging es Pingpong mit Reus und mit rasender Geschwindigkeit bis zum Leverkusener Strafraum, wo Reus Volley den Anschlusstreffer erzielte, ein wunderschönes Tor. Nur zwei Minuten später dann der Ausgleich. Leverkusen erzielte zwar noch einen Pfostentreffer, und es könnte sogar sein, dass das der Knackpunkt war, denn danach war die Luft raus und die jungen Wilden des BVB überrollten Leverkusen, weil sie unbedingt gewinnen wollten, und das klappte dann ja auch. Das 4:2 in der letzten Sekunde der Nachspielzeit war nur noch das i-Tüpfelchen. Und plötzlich ist Dortmund Tabellenführer, weil Bayern in Berlin eine unverhoffte Schwäche zeigte. Im Gegensatz zum merkwürdigen Remis gegen Augsburg, wo man verschwenderisch mit den Chancen umgegangen war, war die Niederlage gegen Hertha nicht ganz unverdient, nicht nur weil Boateng völlig unnötig einen Elfer produzierte, sondern weil sie es nicht verstanden, die in der 2. Halbzeit sich einigelnde Hertha irgendwie in Verlegenheit zu bringen. Und auch Bremen, die Hertha besiegt hatte, musste sich in einem rasanten, völlig offenen Spiel in Stuttgart mit 2:1 geschlagen geben, obwohl Stuttgarts Torhüter Zieler einen Einwurf seines Mannschaftskollegen sich selber sehenswert ins Tor bugsierte, ein Treffer, der wahrscheinlich bald als peinlichstes Tor des Monats auf Youtube zu sehen sein wird. Die Bundesliga ist mal wieder eine einzige Lotterie. Auf keine Mannschaft ist wirklich Verlass, und bei keinem Sieg kann man davon ausgehen, dass er irgendetwas zu bedeuten hat. Wenn der BVB im nächsten Ligaspiel zu Hause auf Augsburg trifft, heißt das noch lange nicht, dass der muntere Torreigen weiter gehen wird. Dann werden die Karten neu gemischt und man darf wieder rätseln, ob die Sache ein gutes Ende finden wird oder doch die schlimme Normlität wieder Einzug hält.