Die Wahrheit über den 7. Spieltag

Jedem, der das Spiel gesehen hat, steckte es danach noch lange in den Knochen, und keiner wird es wohl so schnell vergessen. Ausgerechnet in einer Schalke-Kneipe feierten die BVB-Fans im Siegestaumel. Und dabei war es nur eine Bundesligapartie, es ging nur um drei Punkte und der Gegner war mit Augsburg auch nicht gerade von der Sorte, die ein absolutes Top-Spiel erwarten ließ. Immerhin ließ das Remis der Augsburger in München aufhorchen, aber so ein Glück hat man in der Regel nur einmal im Leben. Die Augsburger zeigten von der ersten Minute an, dass sie nicht nur mitspielen wollten, sondern dass sie aus Dortmund etwas mitnehmen wollten. Sie spielten ein nicht gerade inspiriertes, aber effektives Manndecken, sie spielten hart an der Grenze des Erlaubten mit sechs gelben Karten und einem Foulverhältnis von 22:4, und genau aus diesem Grund haben sie auch völlig zu Recht verloren, aber immerhin haben sie sich nicht eingeigelt, sondern haben immer wieder gefährliche Angriffe gefahren, bei denen die Dortmunder Viererkette mit Diallo, Zagadou, Akanji und Hakimi nicht immer gut aussah. Die Partie war in der ersten Hälfte optisch ausgeglichen, aber während Reus einen präzisen flachen Pass in den Rückraum über die Latte knallte, nutzten die Augsburger ihre Chancen besser und mit dem Schiedsrichter auf ihrer Seite nutzte Finnbogason das Chaos in Dortmunds Strafraum, um nach einem Foul an Reus und nach einem Handspiel schließlich den Ball ins Tor zu bugsieren. Der BVB tat einiges, aber erst in der 60. Minute kam mit Paco Alcacer der Joker ins Spiel, der bislang immer gestochen hat. So auch hier, denn nur zwei Minuten später eroberte Witsel den Ball, passte ihn präzise auf die rechte Seite zu Sancho, der ihn wiederum sofort und ebenso präzise quer auf Alcacer spielte. Ein Spielzug, wie er im Lehrbuch steht und dennoch nur selten zu sehen ist. Aber Augsburg gab nicht auf, ein Querschläger landete bei Max, der freistehend einschießen konnte. Wieder war es Alcacer, der nach einem von Guerreiro schnell ausgeführten Freistoß sehenswert den Ball ins Netz wuchtete. Das war in der 80. Minute. Und dann ging es Schlag auf Schlag, denn bereits in der 82. Minute nahm der eingewechselte Mario Götze bei seinem Bundesliga-Debüt elegant einen Pass in die Tiefe von Hakimi mit und schob den Ball unter den herausstürzenden Luthe hindurch in die Maschen. Aber die Partie war immer noch nicht gelaufen, denn den Augsburger gelang der Ausgleich mit dem Kopfball von Gregoritsch, bei dem Bürki nicht gut aussah. Nun endlich versuchten die Augsburger den Punkt festzuhalten, verzögerten das Spiel und begingen Fouls, und das letzte wurde ihnen dann zum Verhängnis, denn der Schiedsrichter, der ziemlich einseitig gegen Dortmund gepfiffen hatte, ließ über die 4 Minuten Nachspielzeit hinaus das Spiel laufen und den Freistoß ausführen. Mit Guerreiro und Alcacer standen zwei dafür bereit, und als Alcacer anlief, lief auch Guerreiro nach rechts als ob er angespielt werden wollte, um flanken zu können. Mit diesem Täuschungsmanöver jedoch lockte er den entscheidenden Mann aus der rechten Seite der Mauer heraus, der sich Guerreiro in den Weg stellen wollte, und genau durch die nun frei gewordene Lücke der Mauer segelte der Ball in der 96. Minute ins Toreck. Genau so muss es sein, eine perfekte Dramaturgie mit einem Happy end. Und weil Bayern zu Hause in einem extrem uninspirierten Spiel gegen Gladbach mit 3:0 verloren, war dieser Tag noch perfekter als perfekt, nämlich wundervoll. Und man stellt sich Hoeness vor, wie er zum Telefon greift und den »Jupp« wieder zu überreden versucht. »Geh, Jupp, nur noch das eine Mal, versprochen.«