Die Wahrheit über den 32. Spieltag

Die Milchbar war bereits eine halbe Stunde vor Anpfiff rappelvoll, die Stimmung war gut, vollgetankt grölten die reichlich enthemmten Jungs BVB-Liedgut vom schlimmsten, warum der Verein nie untergehen wird und daß sie ihn so lieben und die Spieler deswegen auch gewinnen müssen. Nach der Stuttgart-Pleite der Wolfsburger durfte man sich ein wenig Hoffnung machen, aber andererseits ist Wolfsburg nun mal die heimstärkste Mannschaft mit 14 Siegen in Folge. Also blieb ich skeptisch. Das Spiel war wie eine Wiederholung einer Begegnung, der ich vor zwei Tagen in London beigewohnt hatte, als Arsenal gegen Chelsea mit 4:1 unterging, obwohl die Jungs von Arsene Wenger die aktiveren waren, aber Chelsea war unglaublich abgebrüht, ließ Fabregas und Co. einfach machen, dann schnappte sich Essien irgendwann die Kugel und die Kontermaschine lief wie am Schürchen. Ja, ich war im Emirates Stadion und sah Drogba und Lampard aus zehn Meter Entfernung, zweiundzwanzig Halbfinalverlierer, aber dennoch das Nonplusultra, das London zum Zentrum des Fußballs macht. Ich genoß die spontanen Schlachtgesänge, als sich Ashley Cole, der früher mal bei Arsenal spielte und dem man den Wechsel nie verziehen hat, auf dem gepflegten Rasen wälzte, intonierte man fix: »Asley Cole, you fucking ashole.« Ich war schwer beeindruckt. Auch wenn sich in Highbury nurmehr die Mittelschicht für die immer ausverkauften Arsenal-Spiele Dauerkarten leisten kann, das Stadion hat wenigstens eine architektonische Handschrift, was man vom Dortmunder nicht behaupten kann. Die Stimmung ist bei den Schwarzgelben jedoch besser, denn während man in London mit dem 4. Platz unzufrieden ist und Arsene Wengers Aussage, zwei erfahrene Spieler holen zu wollen, mit der Bemerkung quittiert, daß man ja wohl eher elf von dieser Sorte bräuchte, waren die Milchbar-Dortmunder trotz Niederlage guter Laune, obwohl es ja noch um etwas geht. »Meister werden wir wohl nicht mehr«, schrieb man die ins Kraut geschossenen Träume nach sieben gewonnenen Spielen ab, aber immerhin hatte man wieder an den internationalen Plätzen geschnuppert, es ging wieder mal um was, aber gegen den Heimschiedsrichter Wagner aus Hofheim hatte man sowieso keine Chance: »Schiri Wagner ist ein Asozialer, er schläft unter Brücken und im Obdachlosenwohnheim«, sang man voller Inbrunst. Wagner aber mußte sich bei den abgezockten Wolfsburgern nicht sonderlich anstrengen, die einfach nur die Fehler von Subotic und Owomoyela ausnutzten, während man hinten nichts anbrennen ließ, und wenn, dann konnte man sich darauf verlassen, daß Frei die sich bietende Hundertprozentige versiebte. Das Skandalspiel lief in München, wo den Leverkusenern zwei glasklare Elfmeter verweigert wurden. Und auch Hertha gewann nur mit tätiger Hilfe von Herrn Kircher aus Rottenburg, der großzügig einen Handelfmeter für Köln übersah. Den Rest und drei Punkte besorgte der Zufall mittels einer abgefälschten Bogenlampe. Mit diesem Dusel wird man Meister, sagt der Volksmund. Auch wenn die Bayern den reichlich haben, verläßt man sich dort nicht darauf. Lieber sagt man den merkwürdigerweise immer aus den hinterletzten Käffern stammenden Schiris wie Herrn Kinhöfer aus Herne gleich, was sie zu tun haben. Die kann man aus der Portokasse bezahlen, denn die Landpomeranzen sind auch mit wenig zufrieden, die Millionen braucht man für Diego, der bei den Bayern unter van Gaal aber auch nicht glücklich wird.