Die Wahrheit über den 30. Spieltag


Wenn Klinsmann der erste bekannt gewordene Fall der amerikanischen Schweinepest in Deutschland ist, wie Hans Zippert in der Welt schreibt, dann ist Jupp Heynckes der Vorbote der spanischen Vogelgrippe. Jedenfalls kann man nicht behaupten, die Verantwortlichen der Bayern würden sich nichts einfallen lassen, um sich ordentlich zu blamieren. Heynckes ist zwar nur ein Notnagel, aber selbst in den vier Spielen könnte er es schaffen, Bayern mit dem Virus zu infizieren. Immerhin hat er Erfahrung darin. Innerhalb nur eines Jahres hatte er aus der besten Vereinsmannschaft der Welt Eintracht Frankfurt einen Abstiegskandidaten gemacht. Davon haben sich die Frankfurter bis heute nicht erholt. Heute haben sie Funkel, und das ist auch eine schlimme Krankheit. Und für seinen größten Erfolg, dem CL-Sieg mit Real Madrid, konnte er nichts, weil die Real-Spieler einfach zu gut und gegen den Heynckes-Virus immun waren. Zuletzt hinterließ Herr Osram in Gladbach einen Scherbenhaufen. Und deshalb muß man zugeben, daß sich Hoeneß am Ende seiner Karriere mit dieser mutigen Entscheidung für eine Pflaume offensichtlich noch einmal nachhaltig ins Gedächtnis der Bayernfans einschreiben möchte, bevor er von dem schon als Spieler blassen Nerlinger beerbt wird. Der große Jubel in München nach dem Sieg gegen den Tabellenvorletzten Gladbach ist insofern durchaus verständlich, denn mit Jupp Heynckes ist das keine Selbstverständlichkeit. Zumindest ist er billig. Heynckes nimmt nur das, was ihm Hoeneß als Taschengeld zusteckt. Da Klinsmann schon ordentlich abkassiert hat, wird für ihn nicht viel übrig bleiben. Als Nachfolger sind Sammer und Van Gaal im Gespräch, und das ist ebenfalls keine schlechte Wahl. Sammer liefert sich auf Premiere ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen in der Offenbarung unumstößlicher Wahrheiten mit Beckenbauer, der zur Trainerfrage mit dem Kommentar »Wir müssen machen, was machbar ist« gegen Sammer wieder Boden gut machte. Als Trainer wurde Sammer mit Dortmund einmal Meister. Mit dem teuersten Kader in der Bundesligageschichte, also mit einem Etat, von dem heute sogar Bayern München nur träumen kann. Und der Disziplinfanatiker Van Gaal hat nicht nur den Provinzverein Alkmaar in einer Liga zum Meister gemacht, die auf den albernen Namen »Ehrendivisie« hört und im internationalen Vergleich mit der albanischen Liga konkurriert, er fiel auch schon bei Barca durch. Qualitätskriterien, die die Bayern offenbar sehr beeindrucken. Nach der Schlappe in Cottbus hat Wolfsburg mit einem 4:0 gegen das geschwächte Hoffenheim zurück in die Spur gefunden. Jetzt mögen sich Rangnick und Hopp gar nicht mehr, denn der Mäzen will nicht soviel in den Verein stecken wie der Trainer es gerne hätte. Auch Wolfsburg will sparen, was Magath sogar zu einem maroden Verein in Gelsenkirchen treibt, auch wenn Schalke nicht mal in der europäischen Liga dabei sein wird und das Geld schon lange verpulvert ist. Auf Schalke hat es Magath dann mit Leuten zu tun wie mit Kuranyi, der nach der Niederlage gegen Leverkusen die Reporter mit einer bemerkenswerten Erklärung überraschte: »Wir haben heute unseren Verstand nicht in der Kabine gelassen. Daran müssen wir arbeiten.« Leider stellte niemand die Frage: Welchen Verstand? Und was macht Borussia Dortmund? Gewinnt in Frankfurt geradezu beängstigend zum 6. Mal in Folge, schürt die Euphorie der gelbschwarzen Fans und hat beim nächsten Mal die Möglichkeit, gegen den Tabellenletzten Karlsruhe das Gesetz der Serie zu bestätigen, wonach Dortmund immer dann versagt, wenn es darauf ankommt.