Die Wahrheit über den 12. Spieltag

Nach dem Spiel ließ  Tuchel kein gutes Haar an seiner Mannschaft. Seit dem CL-Spiel am Mittwoch, als die B-Elf im torreichsten Spiel der CL-Geschichte gegen Legia Warschau 8:4 gewann und Marco Reus ein gefeiertes Comeback feierte, hätte es sich bereits angebahnt und nichts hätte darauf hingedeutet, dass Dortmund einen Punkt verdient hätte, weder das Training, noch die Haltung und am allerwenigsten das Spiel. Als kurz nach der Pause das 1:0 für die Eintracht fiel, befand sich Tuchel noch im Kabinengang. Danach sagte er, dass ihn der Treffer der Frankfurter nicht überrascht hätte, denn als seine Mannschaft auf den Platz lief, sah es nicht danach aus, als ob sie das Spiel engagierter angehen wollte. Eigentlich heißt das ja, dass der Trainer die Spieler nicht mehr erreicht, denn als Beobachter der ersten Halbzeit hoffte man, dass Tuchel den Spielern jetzt entweder neue taktische Anweisungen geben oder eine Standpauke halten würde, um sie aufzuwecken. Aber nichts. Das lag natürlich auch an den Frankfurtern, die mit einem einfachen Rezept den Dortmundern auf die Nerven gingen, indem sie ihnen auch im sprichwörtlichen Sinne auf den Füßen standen. Dortmund kommt mit dieser Taktik nicht zurecht. Gerade dem Mittelfeld wie Weigl unterliefen Fehlpässe, weil er ständig bei Ballbesitz unter Druck gesetzt wurde. Aber die Passquote war insgesamt nicht gut. Und hier täuscht die Passstatistik von 80 % angekommenen Pässen, denn die entscheidenden kamen eben nicht an, nur die zahlreichen in der eigenen Hälfte hin und hergeschobenen Querpässe. Frankfurt steht nicht umsonst oben in der Tabelle. Taktisch geschlossen und konstant in der Leistung machten sie schon den Bayern das Leben schwer, gegen die sie ein Unentschieden erzwangen, aber während ihnen gegen die Bayern noch das nötige Glück zu einem Sieg fehlte, gegen die Dortmunder hatten sie es, denn es war wieder einmal Aubameyang, der nach grandioser Einzelaktion einen Treffer auf dem Fuß hatte. Und nicht nur das: Dembele traf am Ende nur die Latte. Die Eintracht hingegen hatte nicht viel mehr Chancen als eben die, die dann auch zu den Toren führten, aber diese Tore spielten sie präzise heraus, indem sie das Dortmunder Mittelfeld so unter Druck setzen, dass Rode, Ginter und Schmelzer häufig nicht gut aussahen. Der Unterschied zu den Bayern, die sich ja gerade in der Krise befinden und denen Siege nicht mehr selbstverständlich zufallen, bestand heute darin, dass Marco Reus keinen Elfer erhielt, nachdem er im Strafraum umgerissen wurde, während gegen die Bayern kein Elfer gegeben wurde, obwohl Martinez einen Ball mit der Hand abwehrte, der sonst im Netz gelandet wäre. Und das wäre das verdiente 2:2 für Bayer Leverkusen gewesen, denn Bayern war trotz Rückkehr von Hoeneß auf den Präsidentenstuhl und Kampfansage an die Liga die schlechtere Mannschaft gewesen. Aber auch wenn es letztlich solche Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern sind, die das Spiel entscheiden, Dortmund bot kein gutes Spiel, und diesmal ließ es sich nicht darauf zurückführen, dass den Dortmundern ein anstrengendes CL-Spiel in den Knochen steckte, denn fast die gesamte Mannschaft war ausgewechselt worden. Es stand im wesentlichen die Mannschaft auf dem Platz, die gegen die Bayern noch 1:0 gewonnen hatte.