Die Wahrheit über den 11. Spieltag

Nach dem Spiel war Philipp Lahm ziemlich beleidigt, denn er war nicht nur gegen den mittelmäßigen Giftzwerg Rafhina ausgewechselt worden (»Warum ich ausgewechselt worden bin, das müssen Sie den Trainer fragen«), sondern musste auch noch erklären, warum die Bayern verloren hatten (»Uns fehlte eigentlich nur der letzte Pass«). Und auch Hummels meinte, das Spiel hätte auch 1:0 für die Bayern ausgehen können und niemand hätte sich beschwert. Es stimmt zwar, dass Bayern phasenweise viel Druck machte und die Dortmunder nur noch den Ball nach vorne droschen, aber außer Lewandowski, der einmal frei zum Kopfball kam, hatten die Bayern keine einzige zwingende Chance. Sie hatten zwar durch Alonso einen Lattentreffer zu verzeichnen, aber das könnte genausogut ein Flankenversuch gewesen sein, der zufällig ans Gebälk klatschte. Die Dortmunder ließen die Bayern mit drei Innenverteidiger nicht zur Entfaltung kommen. Lewandwski und Müller wurden so gut wie vollständig aus dem Spiel genommen, und nur Ribéry durfte ein bisschen wirbeln, was aber nicht wirklich effektiv war. Aubameyang erzielte aber nicht nur nach wunderbarer Vorarbeit Götzes, der Hummels tunnelte, mit einer Grätsche das 1:0, er lief auch noch nach einem grandiosen Rückpass Alonsos allein auf Neuer zu, war aber im Abschluss nicht präzise genug. Die Taktik Tuchels war gewagt, denn mit Ramos als zweiter Spitze gab es natürlich mit Weigl nur einen Sechser, d.h. das Mittelfeld wurde zumindest nominell preisgegeben, aber da das Feld durch die ballbesitzende Mannschaft sowieso ziemlich eng gemacht wurde, spielte das kaum eine Rolle. Es ging sowieso ständig rauf und runter, ein Spiel zwar mit nur wenigen Chancen, aber von unglaublicher Intensität. Immerhin ging es um nicht geringeres, als nach sieben nicht gewonnenen Pflichtspielen endlich wieder mal die Vorherrschaft der Bayern zu knacken und ihnen die erste Niederlage in dieser Saison zuzufügen, auch wenn man dadurch den Leipzigern auf Platz 1 verhalf, aber nur indirekt. Unmittelbar dafür verantwortlich waren die Leverkusener, die es nicht verstanden, eine 2:1-Pausenführung in der zweiten Hälfte auszubauen, obwohl die Chancen dazu da waren. Den unbedingten Willen zu gewinnen hatten dann die Leipziger, die sich den Nimbus, der beste Aufsteiger ever zu sein, nicht nehmen lassen wollten. Auch wenn sie gegen Dortmund noch Glück hatten, inzwischen hält sogar Tuchel es für möglich, dass Leipzig zum Leiceister City Deutschlands werden könnte. Ich glaube aber, dass spätestens in der Rückspielsaison die Mannschaften gewarnt sind und wissen, was sie erwartet. Dann hat Leipzig möglicherweise plötzlich das Problem, das Spiel machen zu müssen und auf Vereine zu treffen, denen ein Punkt genügt und die deshalb mit Mann und Maus in der Defensive arbeiten. Dass sich der Kampf um die Meisterschaft jetzt immerhin ein wenig offener gestaltet, ist den Bayern zu verdanken, die zwar individuell so gut sind, dass sie jederzeit gewinnen können, aber wirklich inspiriert kann man ihr Spiel nicht nennen. Vielleicht war es ja auch der Geist des verstorbenen Aki Schmidt, der mit einer Schweigeminute verabschiedet wurde, dass die Bayern nicht gewinnen konnten, und es sieht ganz so aus, als ob Hummels genau zum falschen Zeitpunkt gewechselt ist. Aber das wäre ihm ja auch zu gönnen.