Die Wahrheit über den 9. Spieltag

Der Wurm ist drin, und wenn der erst mal drin ist, geht er so schnell nicht wieder raus. »Viele unerzwungene Fehler, viele einfache Fehler, viele Fehler im Aufbauspiel«, sagte Tuchel, und da ließ sich schwerlich widersprechen. Vor allem die erste Halbzeit gehörte zum Langweiligsten, das der BVB seit langem abgeliefert hat. Die Dortmunder waren wie immer optisch überlegen, aber sie erspielten sich keine einzige Torchance. Die Schalker igelten sich hinten ein und man konnte von Glück sagen, dass sie an diesem Tag auch nicht gerade Torgefährlichkeit ausstrahlten und sich dem öden Spiel der Dortmunder anpassten, sie an Unfähigkeit sogar noch übertrafen. Götze war in der ersten Hälfte so gut wie unsichtbar, und man versteht immer mehr, warum die Bayern ihn loswerden wollten. Dembelé verhedderte sich ein ums andere Mal und Pulisic hatte mit dem Brutalo Kolasinac zu tun, der besser als Türsteher aufgehoben wäre. Wenigstens war Sokratis wieder zurückgekehrt und verlieh der Abwehr ein wenig Stabilität. Erst in der zweiten Halbzeit kam etwas mehr Fahrt auf, aber nicht genug, um den Schalker Abwehrriegel zu knacken. Klar hätten die Dortmunder, wenn es gerecht zugegangen wäre, gewinnen müssen, denn sie hatten immerhin drei gute Chancen, davon einen Lattentreffer von Dembelé, aber irgendwie hatten sie es bei dieser Leistung einfach nicht verdient. Inzwischen haben sie drei Unentschieden in Serie hingelegt und vier Spiele hintereinander nicht mehr gewonnen, und das ist reichlich wenig für einen Aspiranten auf die ersten drei Plätze. Zwar hatten sogar Manchester City und Atletico Madrid eine Durststrecke, aber die haben sie überwunden, und auch Klopps Liverpool spielt ganz oben mit. Und manchmal denke ich, wenn die Dortmunder wieder auf Ballbesitz spielen und die Kugel in der eigenen Hälfte hin- und herschieben, dass ihnen ein bisschen Klopp fehlt, dieses bedingungslose Pressen und Drücken. Zumindest war das bei weitem aufregender als ein Fußball, bei dem man jedem Spieler anmerkt, wie er in einem taktischen Korsett steckt und Angst hat, etwas falsch zu machen oder wieder mal in Rückstand zu geraten. Es nützt nun mal nichts, anschließend sagen zu können, dass man in allen Bereichen überlegen war (außer im Foulspiel natürlich), wenn man nicht mehr in der Lage ist, Tore zu erzielen. Es sieht so aus, als ob die anfänglichen Befürchtungen doch noch zutreffen, nämlich, dass es eine ganze Zeit brauchen wird, bis die Spieler zueinander gefunden haben werden. Zwischendrin sah es bei ein paar Spielen so aus, als ob der BVB allen davoneilen würde, aber das war nur ein kurzes Hoch. Vorne dreht wie üblich Bayern einsam seine Kreise, die nach einer kleinen Ergebniskrise wieder gewohnt souverän 3:1 in Augsburg gewannen. Im Krisenduell der Werksclubs hatte Leverkusen in Wolfsburg das bessere Ende für sich, wo auch der Trainerwechsel nichts gebracht hat. Und Red Bull Leipzig zieht mit einem 2:0 gegen Darmstadt als bester Aufsteiger in der Bundesligageschichte auf und davon. Alles keine wirklich schönen Nachrichten.