Alle Jahre wieder: Die Buchmesse

Der Jubel über den Literaturnobelpreisträger Bob Dylan ist zwar groß, aber die Buchbranche stöhnt, denn außer den Lyrics und der Autobiographie gibt es vom Autor nichts. So ergiebig wie Modiano vor ein paar Jahren, von dem man Titel im Dutzend nachdrucken konnte und Ladenhüter plötzlich reißenden Absatz fanden, ist Dylan nicht. Der einzige Titel, der eine zeitlang vorrätig war, war ein Buch über Bob Dylan, genauer über sein legendäres Album „Highway 61 Revisited“ von Mark Polizzotti, aber mit 65 verkauften Exemplaren seit der Bekanntgabe des Preises, kann man nicht gerade behaupten, damit ließe sich der Buchmarkt ankurbeln. Woher ich das so genau weiß? Weil das Buch in meiner Edition Tiamat erschienen ist. Ich habe auch gleich einige Exemplare aus den tiefsten Tiefen des Buchlagers hervorgekramt und mit dem Literaturpreis Werbung gemacht, aber niemand scheint es zu interessieren. Das Preiskomitee hat Dylan immer noch nicht telefonisch erreicht, weshalb man das Tourmanagement angerufen hat, das wiederrum mitteilte, man würde sich im Bedarfsfalle melden. Inzwischen wurde auf der offiziellen Homepage Dylans mitgeteilt, dass man die Entscheidung des Komitees zu Kenntnis genommen habe. Man erinnert sich wieder an die zur eigenen Legende erstarrte Gestalt mit dunklen Sonnenbrillengläsern, die sich volkommen ungerührt von Obama eine Preiskette umlegen ließ. Glücklicherweise habe ich den Song „Born in time“ einstudiert und kann ihn abends auf dem Rowohlt-Empfang vorsingen. Der Dylan-Spezialist und -Übersetzer Gerd Henschel konnte auch auf Anhieb sagen, von welcher Platte das Lied ist. Auch Klaus Modick konnte ich damit beeindrucken, und das tut manchmal ganz gut, denn Fup, dem ich den Song immer zum Einschlafen vorsinge, ist das nicht. Wie auch? Er schläft davon ja ein. Auch David Hockney, der Star der diesjährigen Buchmesse, war unter branchenüblichen Gesichtspunkten ein Flop. Es ist nicht wirklich umstritten, dass sein offenherziges Bekenntnis, er habe schon immer viel gelesen, viel für die Branche bringt, denn auch Helmut Kohl war ja bekanntlich eine Leseratte und gut in Hölderlin. Hockney liest gerade ein Buch über Luther, wobei ihm das Theologische allerdings etwas zu kompliziert ist. Und ein Buch über Drogen in der der Nazi-Zeit. Das sind also so die Themen. Ansonsten malt er auf seinem I-Pad. Merkwürdige Zeiten. Ach ja, der Friedenspreis des deutschen Buchhandels ist an Carolin Emcke gegangen, die Frau, die mit erhobenem Zeigefinger schreibt und alles über einen moralischen Kamm schert. Immer auf Seiten der Unterdrückten und Entrechteten, und immer Verständnis für die Beleidigten und Geknechteten. Das liest sich nicht immer sehr spannend, aber mit ihr hat es in jedem Fall die Richtige getroffen.