Die Wahrheit über den 7. Spieltag

Am letzten Spieltag ließ der BVB die Chance ungenutzt, nach dem Punkteverlust der Bayern gegen Köln näher an den ersten Platz zu rutschen. Diesmal war es umgekehrt: Die Bayern machten nichts aus der Steilvorlage der Dortmunder, die nur ein 1:1 gegen die Hertha schafften, um sich weiter abzusetzen. In Frankfurt legten sie eine grottenschlechte erste Halbzeit hin, die sogar Rummenigge auf den Plan rief, der den versammelten Mikrophonen verkündete, dass diesem Schlendrian sofort Einhalt geboten werden würde. Aber auch in der 2. Hälfte verstanden die Bayern es nicht, eine zweimalige Führung über die Runden zu bringen. Zweimal kamen die Einrachtler zurück, obwohl schon in der 65. Minute Huszti vom Platz gestellt wurde, die Eintracht also eine halbe Stunde nur zu zehnt spielte, und obwohl die Ultras nicht dabei sein durften, weil sie immer so böse sind. Aber die Dortmunder machen es z.Z. auch nicht besser. Den Berlinern genügte eine per Hackentrick eingeleitete geniale Vorlage in den Lauf von Stocker für das 1:0, während Aubameyang diesmal seine Treffsicherheit vermissen ließ. Allein vor dem Torhüter traf er nur den Pfosten und einen allerdings unberechtigten Handelfmeter nutzte er ebenfalls nicht zum Ausgleich, erst eine Flanke von Dembelé konnte er denn endlich zum Ausgleich verwandeln. Die von Tuchel nach dem Spiel gegen Leverkusen beklagten Fouls, die nicht entsprechend geahndet werden würden, führten nicht dazu, dass weniger Fouls begangen wurden. In der Statistik ist der BVB als fairste Mannschaft der Liga in dieser Rubrik immer und verlässlich der Verlierer. Und Dardai ließ schon vorher durchblicken, dass dies so bleiben werde, denn »Fußball ist ein Männersport«, was als Drohung gemeint war. 21:13 führten am Ende die Berliner die Foulstatistik an. Und Stocker wurde für eine Blutgrätsche von hinten an Ginter sogar vom Platz gestellt. Zu Recht. Für Dardai war das ein bisschen »übereifrig« und käme im Training auch immer wieder mal vor. Den Vogel aber schoss ein Kommentator des ZDF ab, der meinte, das brutale Foul wäre erst durch die von Tuchel losgetretene Fouldebatte entstanden. Alle Achtung! Auch gegenüber dem sonstigen Tenor in der Diskussion, die alle im Sinne von Dardais prolligem »Männersport« argumentierten. Was aber ist verwerflich daran, wenn jemand seine Spieler vor Verletzungen durch Übereifrige und Männersportler schützen will? Und was ist falsch daran, die Schiedsrichter daran zu erinnern, taktische Fouls konsequenter mit gelb zu bestrafen, denn sie zerstören das schöne Spiel. Es ist merkwürdig, dass bei den Kommentatoren die Meinung vorherrscht, das sei eben die Waffe der unterlegenen Mannschaften, um den besseren Spielern die »Lust am Spiel« zu nehmen, sie auf ihr Niveau herabzuziehen, auf dass so unansehnlich gespielt wird wie die schlechtere Mannschaft eben zu spielen in der Lage ist. Und wenn das Niveau dann insgesamt gesunken ist, dann ist die Klage groß. Warum aber dürfen minderbemittelte Spieler Dembelé und Mor immer wieder einfach festhalten, wenn sie dafür höchstens einmal gelb riskieren? Und als Mor nach einer intensiven Umarmung durch Langkamp sich schließlich aktiv aus dem Klammergriff löste, erhielt er die rote Karte, weil Langkamp sich theatralisch auf den Boden warf, was er anschließend immerhin zugab, wobei ihm allerdings nach den Fernsehbildern auch kaum etwas anderes übrig blieb, zu offenkundig war seine Show. Immerhin: Gladbach kann es noch besser als Dortmund und vergab gegen Hamburg sogar zwei Elfmeter, die mit einem sensationellen Dusel ein Remis über die Zeit retteten. Und ein wenig Balsam auf die Seele war die 2:1-Niederlage der Leverkusener gegen limitierte Bremer. Das hatten sie sich nach dem Spiel gegen Dortmund auch redlich verdient.