Die Wahrheit über den 6. Spieltag

Ein gebrauchter Spieltag, der mit einem 1:1 der Kölner bei den Bayern zunächst eigentlich gut anfing, auch wenn die Bayern am Ende sogar noch Glück hatten, weil Zoller allein vor Neuer auftauchte, aber das Tor nicht traf. Zwar waren die Bayern haushoch überlegen mit 27:5 Torschüssen und 68 % Ballbesitz, aber es kam wenig Effektives dabei heraus. Das alte Dilemma einer Spitzenmannschaft, die gegen eine leidenschaftlich verteidigende Elf nicht gut aussehen kann, obwohl sie in allen Belangen überlegen ist. Außer natürlich in der Foulstatistik, wo Köln haushoch mit 12:4 gewonnen hat. Immerhin ließen die Münchner Punkte, und das hätte den Dortmundern die Chanc gegeben, bis auf einen Punkt heranzukommen, aber nachdem man nach den letzten Spielräuschen und nach dem Fastsieg gegen Real Madrid schon fast an die Unwiderstehlichkeit der Dortmunder glaubte, traf man diesmal in Leverkusen, wo man bislang magere 7 Punkte gesammelt hatte, auf einen bis in die Haarspitzen motivierten Gegner, dem an diesem Abend alle Mittel recht waren, um das Dortmunder Spiel zu zerstören. 70 Prozent Ballbesitz und auch die sonst haushohe Überlegenheit nützte den Dortmundern nichts, denn auch in dieser Partie war die Foulstatistik das Entscheidende, und die lautete sagenhafte 21:7 für Leverkusen. Und als Roger Schmidt in der Pressekonferenz sagte, er sei ein »faires Spiel« gewesen, da konnte Tuchel nicht an sich halten, denn fair war das Spiel höchstens von den Schwarzgelben gewesen, einige der Leverkusener, allen voran Kampl, der offenbar noch eine Rechnung mit dem BVB offen hatte, weil er dort sich nicht durchsetzen konnte, sammelten fleißig gelbe Karten und standen kurz vor rot, wobei einige der Fouls durchaus eine rote Karte verdient gehabt hätten, vor allem als der durch ein Foul bereits am Boden liegende Ginter noch einmal durch Aranguiz ins Gesicht getreten wurde. Im Fußball gibt es jedoch keine Gerechtigkeit, sondern nur verständnisvolle Schiedsrichter. Aber auch das Dortmunder Spiel funktionierte nicht wie sonst, was zum Teil am wilden Pressing des Gegners lag, zum anderen auch der merkwürdigen taktischen Aufstellung, denn Guerreiro spielte zunächst für Schmelzer hinten auf der linken Seite, wo er verloren wirkte und wie seine Kollegen sich viele unerklärliche Fehlpässe leistete. Dembelé und Pulisic auf den Flügeln konnten ihre Schnelligkeit nicht entfalten, weil sich sofort drei Leverkusener auf sie stürzten, wenn sie angespielt wurden, eine taktische Maßnahme, die schon Klopp bei seinen Seriensiegen gegen die Bayern angewandt hatte, als er damit Ribéry und Robben lahm legte. Tuchel brachte bereits nach der Pause Mor für Pulisic und Schmelzer für den enttäuschenden Castro, damit Guerreiro ins Mittelfeld rücken konnte, später auch noch Kagawa für den blassen Rode, aber eine wirkliche entscheidende Veränderung brachte das für das Spiel nicht. Mor verdribbelte sich ein ums andere Mal und lud die Leverkusener zum Kontern ein. Und Weigl schließlich war an beiden Gegentreffern nicht unbeteiligt, denn beim ersten Kopfballtor durch Mehmedi rutschte er aus und ließ sich wegdrücken, und bei der Flanke zum 2:0 kam er nicht hinterher, um sie zu verhindern. Das allerdings hätte Sahin auch gekonnt. Zwei in der Statistik ganz ähnliche Spiele: Der Unterschied, die Bayern spielen dann höchstens mal unentschieden, der BVB aber verliert. Und als unschöne Krönung des vergurkten Spieltages gewannen gestern die Schalker gleich mit 4:0 gegen Gladbach, die ebenfalls die besseren Statistikwerte aufwiesen. Schade: Schalke mit Null Punkten nach sechs Spielen, das wäre ganz lustig gewesen, aber auf Gladbach ist eben auch kein Verlass.