Die Wahrheit über den 5. Spieltag

In Bremen ging es nach dem 4. Spieltag und mit Null Punkten bereits um alles oder nichts. Und für dieses Spiel kam genau der richtige Gegner: Wolfsburg. Noch deprimiert von der 5:1-Niederlage gegen den BVB, klammerten sie sich an den Glauben, dass es sich um einen Ausrutscher gehandelt habe und sie sich an Bremen wieder aufrichten könnten. Und lange Zeit sah es so aus, als ob das klappte. Die Bremer rannten zwar bis in die Haarspitzen motiviert an und schossen aus allen Lagen, aber das Engagement war blinder Übereifer, und mit dem klappt bekanntlich gar nichts, denn die Bälle landeten sonstwo, nur nicht Richtung Wolfsburger Tor. Überrascht von der forschen Bremer Gangart, ließ Wolfsburg den Gegner machen, überzeugt davon, dass er sich irgendwann ausgetobt haben würde. Und es kam noch besser für die Wolfsburger, denn sie mussten sich nicht mal selber um ein Tor bemühen. Ein Bremer war es, der eine scharfe Hereingabe ins eigene Tor lenkte, auch ein Ergebnis des Übereifers, den die Bremer an den Tag legten. Aber sie gaben nicht auf und kämpften solange, bis sie das Glück auf ihre Seite zwangen, obwohl sie in allen statistischen Werten schlechter waren. In der 86. und in der 91. Minute versetzten sie der zusammengewürfelten Wolfsburger Truppe den Todesstoß, und Draxler, Gomez und Kuba dürften sich gefragt haben, in was für einen Klub sie wohl geraten waren. Vor allem um Kuba tut es mir leid, denn der lange für den BVB spielende Pole wäre gern in Dortmund geblieben. Tuchel aber sagte der Presse, Kuba hätte sich dem großen Konkurrenzkampf nicht stellen wollen, was Kuba dementierte, der wiederum sagte, Tuchel hätte nie mit ihm gesprochen. Keine schöne Art, einen verdienstvollen Mann so abzuservieren, oder so auf das Abstellgleis zu schieben wie Sahin, der selbst dann nicht aufgestellt wird, wenn das gesamte Mittelfeld verletzt ist. Aber solange Tuchel mit seiner Mannschaft erfolgreich ist, haben die betroffenen Spieler schlechte Karten. Auch zu Hause gegen Freiburg sah es am Ende mit einem 3:1 nach einer klaren Angelegenheit aus, auch wenn man in den ersten zehn Minuten vom starken Auftreten der Freiburger überrascht war, und Grifo sogar einmal allein vor Bürki auftauchte, aber ziemlich kläglich vergab. Danach bekamen die Schwarzgelben das Spiel immer besser in den Griff, wenngleich sich das Fehlen von Guerreiro, der für Real geschont wurde, bemerkbar machte. Als er dann eingewechselt wurde, war er maßgeblich an einer der schönsten Kombinationen an diesem Fußballabend beteiligt, über sechs Stationen auf engstem Raum, und schloss selbst zum 3:1 ab. In Hamburg findet gerade wieder ein unschönes Schauspiel statt, denn der so gut wie entlassene Labbadia durfte gegen die Bayern nochmal coachen, um sich zu rehabilitieren, damit der neue Trainer, vermutlich der Ex-Hoffenheimer Markus Gisdol, nicht gleich mit einer Niederlage beginnen muss. Und fast hätte Labbadia es mit seiner Mannschaft geschafft, denn erst in der 88. Minute gelang den Bayern der Siegtreffer. Dem HSV konnte man danach eins bestimmt nicht vorwerfen, nämlich nicht alles gegeben zu haben. Aber HSV-Boss Beiersdorfer redete die Leistung klein: »Spiele gegen gute Mannschaften waren noch nie unser Problem. Wir können gegen tief stehende Mannschaften einfach nicht das Spiel machen.« Alles deutet also darauf hin, dass Labbadia sich die Tage seine Papiere abholen kann.