Die Wahrheit über den 21. Spieltag

Gegen den ansonsten verlässlichen Punktelieferanten Hannover 96 wurde es ein zähes Spiel. Das war allerdings auch abzusehen, denn was kann eine Mannschaft, die auf dem letzten Platz steht, schon tun außer sich mit Mann und Maus kurz vor der Strafraumlinie zu versammeln. Immerhin bot Hannover defensiv eine beeindruckende Leistung, was ihnen gegen andere Mannschaften nicht gelang. Aber vielleicht weil sie inzwischen nichts mehr zu verlieren haben, spielten sie in Dortmund aufopferungsvoll und diszipliniert. Sie verloren nicht einmal die Ordnung als das erlösende Tor von Mkhitaryan fiel, das erste von 53 Treffern Dortmunds in dieser Saison, das nach einem Schuss außerhalb des Strafraums erzielt wurde, was viel über die Offensivqualitäten der Dortmunder aussagt. Hannover blieb in der eigenen Hälfte kompakt stehen, während die Dortmunder hinten herum spielten, immer die gleiche Ballstafette, Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer und wieder zurück. Und warum auch nicht? »Save the ball«, rief Tuchel einmal ins Feld, denn gegen diese Hannoveraner, die offenbar gar nicht gewinnen wollten, war es sinnlos, irgendein Risiko einzugehen. Und weil das Spiel so unansehnlich war, bis vielleicht auf die ersten zwanzig Minuten, als Reus bei einem Freistoß die Latte traf und Zieler aus kürzester Entfernung einen Ball von Reus parierte, sorgte der verletzte Aubameyang, der auf der Tribüne Platz nahm, in einer weißen Jacke mit flauschigem Kragen und einer verkehrt herum aufgesetzten hellblauen Baseballmütze für Glamour, der natürlich sofort für Spott sorgte, denn in der Fußballbranche zählen Schweiß und Tränen und schlechter Geschmack. Sofort machte man sich Sorgen, ob nicht womöglich eine ganze Horde Hasen ihr Leben für die Jacke lassen musste, und auch sein mit Strasssteinen geschmückte Handy wurde abfällig kommentiert, dabei ist das mal was anderes als in lächerlichen Lederhosen herumlaufen zu müssen, weil der Verein es anordnet. In Darmstadt riefen die Fans: »Ohne Schiri habt ihr keine Chance!«, weil der Mann in Schwarz systematisch die Leverkusener bevorzugte und die Darmstädter um ein gerechtes Unentschieden brachte. Obwohl die Stuttgarter im Pokal in einem tollen Spiel gegen Dortmund ausgeschieden sind, setzten sie ihren Höhenflug fort und feierten gegen Hertha ihren fünften Ligasieg in Folge, und das wiederum bedeutet, dass der BVB seinen Vorsprung auf den nunmehr von Leverkusen gehaltenen 3. Platz auf 13 Punkte ausbauen konnte. Ein angenehmes Polster, auch wenn es vermutlich unnötig ist und eigentlich nur die Spannung aus der Liga herausnimmt. Im Abstiegsduell Bremen gegen Hoffenheim kam Bremen über ein 1:1 nicht hinaus, weil man selbst die hochkarätigste Chancen vergab. Nachdem Huub Stevens wegen Herzproblemen aufhören musste, die man bei einem Verein wie Hoffenheim allerdings bekommen kann, brachte der mit 28 Jahren jüngste Trainer in der Bundesligageschichte, Julian Nagelsmann, zumindest Glück mit, das man in Hoffenheim auch dringend braucht, um nochmal den Hals aus der Schlinge zu ziehen. Frankfurt und Augsburg kommen alternativ für den Abstieg noch in Frage, aber wer will das schon. Die Eintracht wurde jedenfalls aufs schwerste in Köln vom Schiedsrichter benachteiligt. Armin Veh sagte: »Entweder ich verstehe das Spiel nicht mehr, oder der Schiedsrichter war schlecht.« Vermutlich ist beides der Fall.