Die Wahrheit über den 22. Spieltag

Langsam wird die Remis-Serie der Dortmunder unheimlich. Immerhin sah man den Schwarzgelben an, daß sie sich für die Blamage im Hinspiel revanchieren wollten. Und da Hoffenheim weiter oben mitspielen will und außerdem sowieso offensiv ausgerichtet ist, ergab sich ein rasantes, schnelles Spiel, dem nur eins fehlte: die Tore. Aber wer soll die schon bei Dortmund schießen? Zidan bewies einmal mehr seine exzellenten Qualitäten im Verssieben von scheunentorgroßen Chancen. Es war schon ziemlich unfaßbar, und ich kennen nicht wenige, die ihn dafür am liebsten an die Wand genagelt hätten. In der Zeitlupe konnte man immer wieder zähneknirschend bewundern, wie ihm allein vor dem Schlußmann alle Möglichkeiten offenstanden und wie er sich dafür entschied, ihn anzuschießen. Das muß man erst mal schaffen. Viele Spieler in der Liga würden das nicht so genial hinkriegen. Immerhin bemühte er sich und rannte sich die Seele aus dem Leib, eine Vorbedingung für Klopp, auf dem Platz stehen zu dürfen, und deshalb hat Dortmund mit Valdez und Zidan zwei Spitzen, die in der gegnerischen Hälfte wie aufgeregte Hühner herumflattern und deren einzige Zuverlässigkeit darin besteht, den Ball nicht im Tor unterzubringen. Aber stop! Das ist ungerecht, ich weiß, aber was ist schon gerecht im Fußball? Schließlich will man gewinnen, und wenn solche Nieten einen möglichen Sieg verhindern, dann kann es schon mal sein, daß mir die Lust für einen ausgewogenen Kommentar vergeht. Aber schließlich murkste nicht nur ein Zidan auf dem Platz herum, sondern auch Schiedsrichter Fandel, der von einer ähnlichen Blindheit geschlagen war, denn bereits in der 4. Minute trat der Hoffenheimer Teber den kleinen Dortmunder Mittelfeldflitzer Hajnal brutal nieder, ohne dafür rot zu sehen, ja nicht mal gelb, wie überhaupt Hoffenheim die Zweikämpfe ziemlich fies und verbissen führte und meist an der Grenze des Zumutbaren, und schon allein deshalb hätten sie eine ordentliche Niederlage verdient gehabt. Statt dessen verteilte Fandel paritätisch an Weis und Kehl rote Karten für einen vergleichsweise harmlosen Zweikampf. Fest steht jedenfalls, daß Dortmund z.Z. gegen eine einigermaßen gefestigte und gut spielende Mannschaft über ein Unentschieden nicht hinauskommt. Vermutlich auch nicht gegen die Stuttgarter und Hannoveraner, die gerade in Schwung kommen. Leverkusen hat das in der Niedersachsenhauptstadt schon mal zu spüren bekommen und sich mit einer Niederlage gegen 96 aus dem Rennen verabschiedet. Hertha hingegen hatte wieder mal mehr Glück als Verstand. Und wenn man den Trainer nach dem Spiel aufatmen sah, wußte man, daß der Sieg schwer erzittert worden war, und das zu Hause gegen den Tabellenletzten Gladbach. Souveränität sieht anders aus. Ein Witz wäre es deshalb, wenn diese für unattraktiven und taktischen Fußball stehende Mannschaft zur Champions-League stolpern würde, nur weil die Konkurrenz noch dämlicher ist. Daß es in der oberen Tabellenregion so eng zugeht, ist nicht Ausdruck der Stärke der Liga, sondern ihrer Schwäche, denn dort oben regiert mit reiner Willkür Meister Zufall.