Die Wahrheit über den 13. Spieltag

Lag es daran, dass es der 13. Spieltag war? Lag es daran, dass der BVB schon seit Jahren nicht mehr in Hamburg gewinnen konnte? Bei einer mittelmäßigen Mannschaft, die immer wieder mal in den Abstiegsstrudel gerät und dann vom BVB gerettet werden muss? Nichts erklärt aber, dass die Dortmunder von Beginn an am Spielgeschehen vollkommen desinteressiert waren. Sie liefen einfach nur neben dem Gegner her, gingen halbherzig in die Zweikämpfe, spielten erstaunlich unpräzise Pässe und die Abwehr ließ sich von einem Lasogga verunsichern, der einfach nur von einem zum anderen lief. Aber selbst das hätte noch für ein Unentschieden gereicht, wenn die Dortmunder nicht selbst für die Tore der Hamburger gesorgt hätten. Bürki glänzte wieder einmal mit einem ungeschickten Foul an Ilicevic im Strafraum, war dann gegen den Elfer machtlos. Dann war es Ginter, der einen sagenhaften Fehlpass spielte, den Müller dankbar annahm, wobei er mit dem Ball fast durch den gesamten gegnerischen Strafraum spazieren konnte, ohne von Sokratis oder Hummels oder Weigl angegriffen zu werden. Er konnte in aller Ruhe abwarten, bis Holtby in Position lief und das 2:0 erzielte. Das 3:0 köpfte Hummels gleich selbst. Erst in den letzten 5 Minuten nahm der BVB noch einmal Fahrt auf, traf aber nur den Pfosten oder aus Abseitsposition. Und Adler hielt dann noch ein paar etwas gefährlichere Schüsse. Bürki sagte nur einen Tag später, er würde so lange an die Meisterschale glauben, so lange es rechnerisch möglich sei. Vielleicht sollte ihm mal jemand flüstern, dass er dafür auch ab und zu einen Ball halten sollte.
Während die Dortmunder nur vergaßen, Fußball zu spielen, hatte Beckenbauer vergessen, was er die letzten zwanzig Jahre gemacht hatte. Sie werden doch nicht glauben, dass ich mich an irgendetwas erinnere, was ich unterschrieben habe. Ich habe nie etwas vorher gelesen, was ich unterschrieben habe. Da würde ich ja heute noch lesen, sagte er sinngemäß und erwies sich als großartiger Komiker, der es seinen Kollegen aus der Kabarettbranche sehr leicht macht, denn sie brauchen ihn nur zu zitieren. Aber natürlich hat er recht, denn wer liest schon das ganze Kleingedruckte in den Verträgen? Jeder versteht das, denn jedem geht es schließlich ähnlich. Korruption und Bestechung sind wahrscheinlich im Fußball, wo sowieso riesige Geldmengen hin- und hergeschoben werden, so normal, dass sich jeder darüber aufregt, wenn tatsächlich einmal etwas herauskommt.
In Spanien fand der Classico statt, der erstaunlich eindeutig mit 4:0 für die Katalanen entschieden wurde, die auch ohne den erst spät eingewechselten Messi, der lange Zeit verletzt war, souverän gewann, weil die Madrilenen außer Härte und Frust nichts zu bieten hatten. Sieht so aus, als ob der erst seit Beginn der Saison verpflichtete Rafael Benítez schnell wieder weg vom Fenster ist.
In Hamburg fing das Spiel aufgrund von Sicherheitskontrollen wegen der IS-Massaker von Paris erst mit 18 Minuten Verspätung an. Uwe Seeler hat das nicht gestört. Das ist doch mal eine erfreuliche Meldung.