Die Wahrheit über den 12. Spieltag

Für Tipper ein ganz schlechter Spieltag, für Leute, die es gern etwas abwechslungsreicher haben hingegen ein Tag mit vielen überraschenden Ergebnissen. Und den roten Karten nach zu schließen, die verteilt wurden, liegen schon am 12. Spieltag die Nerven blank. Wolfsburg hat zwar in den letzten vier Jahren nicht mehr in Mainz gewinnen können, dennoch waren sie in der Karnevalsstadt die Favoriten, schließlich lag Mainz im unteren Tabellendrittel und sah auf eine ordentliche Serie schlimmer Niederlagen zurück. Aber schon nach dreizehn Minuten flog der von Schalke eingekaufte 36-Millionen-Mann Draxler wegen einer Kung-Fu-Einlage gegen Gonzalo Jara vom Platz und bewies, dass er jede einzelne Million wert ist, wenngleich auch nicht für seinen Verein. Wolfsburg Trainer Dieter Hecking plädierte in mürrisch-beckmesserischer Weise, diese Kampfsportart beim Fußball zuzulassen, und sagte, »was andere Leute darüber denken, interessiert mich nicht«. Den Rest der Niederlage besorgten Benaglio und Arnold, die den Mainzern jeweils einen Treffer zum 2:0 schenkten. Die andere Werkself, deren Fan zu sein sich immer wie ein Stigma ausgenommen hat und die den Chemiegeruch der Bayer AG nie abstreifen konnte, wird mir langsam durch den von Roger Schmidt verordneten spektakulären Fußball sympathisch. Viele Tore und Dramatik bis zum Schluss wie gegen den AS Rom in der Champions-League ist ja nicht das schlechteste, was man vom Fußball erwarten kann. Gegen Wolfsburg verloren sie zuletzt wegen eines ungerechtfertigten Elfmeters. Diesmal verloren sie auch noch zu Hause gegen den Reviernachbarn Köln. Die Niederlage hatte einen Namen, und der lautete: Papadopoulos. Ein Ex-Schalker, den man wie Draxler nicht ohne Folgen verpflichtet hat und zudem genau der Mann, der Leverkusen schon wieder weniger sympathisch erscheinen lässt. Auch er musste vom Platz gestellt werden, weil er den im übrigen wenig überzeugenden Kölner Modeste auf dem Weg zum Tor einfach festhielt und dabei nicht mal eine Chance verhinderte, weil Modeste sich den Ball zu weit vorgelegt hatte. Und im dritten Spiel mit rot war es Gladbachs Xhaka, der nach einem Foul in 86. vom Platz musste. Ausnahmsweise kein Ex-Schalker, aber auch kein sonderlich beherrschter Spieler, weshalb Ingolstadts Trainer Hasenhüttl offenbar die Anweisung an seine Spieler gab, Xhaka so lange zu provozieren, bis ihm die Pferde durchgehen würden. Und das scheint ihnen dann auch gelungen zu sein, wenngleich auch erst in der 86. Minute, was nicht mehr den Ingolstädtern nützte, sondern vielmehr dem nächsten Gegner Gladbachs nützen wird. Jedenfalls behauptete das Gladbachs Dominguez, der mit einigen Ingolstädtern Spielern gesprochen haben wollte, die ihm den Eindruck, den sowieso jeder im Stadion hatte, bestätigten. Ein unansehnliches, ständig von Fouls unterbrochenes Spiel, in dem jede Entscheidung des Schiedsrichters bemeckert wurde. Das ist die Methode, mit der Ingolstadt sich in der Bundesliga halten will, und das ist der Grund, weshalb man solche Vereine da nicht braucht.