Die Wahrheit über den 32. Spieltag

Auch wenn der BVB gegen die Hertha souverän 2:0 gewonnen hat, läßt sich nicht behaupten, daß der BVB auch so souverän gespielt hätte. Es war kein mitreißendes Spiel, kein Spiel, nach dem man anderen hätte sagen können, sie hätten was verpaßt, wenn sie es nicht gesehen haben. Das alles lag vor allem an der Hertha, die überhaupt nicht spielte wie eine Mannschaft, die noch nicht alle Punkte zusammen hat, um nicht abzusteigen, also engagiert und willensstark wie die anderen Mannschaften unten im Keller. Die übliche Taktik, erstmal hinten drin zu stehen und die Dortmunder am Tore schießen hindern und sie dadurch vielleicht zu entnerven, hatte sich bereits in der 8. Minute erledigt, aber die Hertha wechselte nicht ihren Spielmodus. Erst als kurz nach der Halbzeit auch noch das 2:0 fiel, versuchten die Herthaner mit etwas mehr Leidenschaft nach vorne zu spielen, aber es blieb beim Versuch. Eine wirkliche Chance brachten sie nicht zustande. Aber auch der BVB war nicht wirklich auf der Höhe und hätte an diesem Tag gegen einen stärkeren Gegner wahrscheinlich nicht gut ausgesehen, weil kaum etwas über die Flügel lief. Kein einziges Mal gelang es Durm, bis zur Grundlinie durchzulaufen, immer wieder brach er vorher ab und spielte den Ball zurück. Immerhin ist das Mittelfeld mit dem erstarkten Mkhitaryan wieder stabil, und auch Kagawa scheint wieder ins Spiel zu finden, so dass man sogar ohne Reus auskommt. Aber es ist vor allem der Schwäche der Konkurrenz zu verdanken, daß der BVB jetzt wieder auf Platz 7 steht, der selbst bei einem verlorenen Pokalfinale zur Teilnahme an der Euroleague berechtigen würde. Aber es sind ja noch sechs Punkte zu vergeben, und so wird es bis zum Schluß spannend bleiben und voraussichtlich wird es am letzten Tag gegen Bremen zu einem Endspiel kommen. Bremen schaffte gerade noch ein Unentschieden gegen Hannover, während der andere Konkurrent im Europageschäft Hoffenheim in Frankfurt mit 3:1 unterging. Und wenn man sich einmal auf die Bayern hätte verlassen können, dann wäre der BVB sogar auf Platz 6 vorgerutscht, punktgleich mit Augsburg, aber Bayern verlor das vierte Pflichtspiel in Folge. Jetzt sogar zu Hause gegen Augsburg. Viel jammert man über die Verletztenmisere, aber wenn man einen Blick auf die Aufstellung wirft, sieht man nur Leute, die so gut wie in jeder Mannschaft in allen Top-Ligen der Welt einen Stammplatz hätten. In Barcelona konnte sich Bayern sogar den Luxus erlauben, auf Götze zu verzichten und ihn erst spät einzuwechseln. Allerdings sah man ihn nicht, obwohl er nachweislich eine Grätsche gemacht hat. Jetzt stellen sich alle schützend vor Götze, weil niemand im Verein zugeben will, daß er vielleicht eine Fehlinvestition gewesen ist und sein Gehalt von 12 Millionen möglicherweise etwas überzogen. In dieser Verfassung muß man sich keine Sorgen machen, daß Bayern ins CL-Endspiel kommt. Guardiola steht angeblich schon in direkten Verhandlungen mit Manchester City, und möglicherweise ist das ein Gerücht, daß Rummenigge selbst in die Welt gesetzt hat, denn nur die Meisterschaft statt des anvisierten Triples ist im zweiten Guardiola-Jahr ein Rückschritt, denn der gesamte Fußballsachverstand war sich einig, daß Bayern die beste Mannschaft ever hat. Viermal in Folge zu verlieren ist Guardiola aus seinen Zeiten in Barcelona jedenfalls nicht gewöhnt. Und es könnte durchaus sein, daß am Dienstag eine fünfte Niederlage folgt.