Die Wahrheit über den 29. Spieltag

Der BVB ist die Mannschaft mit den zwei Gesichtern. Nach der ersten Halbzeit gegen Paderborn war die Stimmung spöttisch. Und auf die zweite Hälfte bezogen eher fatalistisch. So wie in den ersten 45 Minuten jedenfalls würde Dortmund nicht den Dosenöffner finden, und weil jeder wusste, dass Hummels oder Sokratis immer für einen Patzer gut sind, rechnete man schon mit dem großen Zittern, das dann einsetzen würde. Immerhin spielte Subotic verletzungsbedingt nicht mit, der noch mehr als seine beiden Kollegen im Abwehrzentrum für seine Aussetzer inzwischen eine gewisse Berühmtheit in Fachkreisen erlangt hat. Aber dann kam aus der Kabine eine völlig andere Mannschaft, die schon nach wenigen Minuten und einem mit Tempo vorgetragenem Angriff ein Kopfballtor von Mkhitaryan sah, das an schöne Zeiten erinnerte. Dann traf noch Aubameyang, dem danach noch ein zweiter regulärer Treffer aberkennt wurde, und auch Kagawa, das andere Sorgenkind aus der Kreativabteilung, traf. Nach der deprimierenden 3:1-Pleite gegen Mönchengladbach war das nicht unbedingt zu erwarten, auch nicht gegen Paderborn, die allerdings gar nicht so defensiv auftraten, wie man das erwartet hatte. Am Ende aber musste man feststellen, dass Paderborn dann doch sehr limitiert war und in diesem Fall sogar eine Art Aufbaugegner war, jedenfalls in der zweiten Hälfte, als Dortmund den Druck erhöhte, sich wie früher viele Chancen herausarbeitete und bei einem Torschussverhältniss von 21:2 dann doch nur 3:0 gewann. Ob dieser Sieg mit dem angekündigten Rücktritt Klopps zu tun hat? Wenn es so wäre, und man Klopp einen schönen Abgang verschaffen will, wie Hummels anschließend behauptete, und wenn man zu dieser Leistung nur fähig ist angesichts der Perspektive eines neuen Trainers, dann hieße das, dass die Mannschaft mit Klopp als Trainer tatsächlich nicht mehr kann. Was Hummels niemals zugeben würde, die Zusammenarbeit jedenfalls knirscht, wenn man nicht mehr dazu in der Lage ist, das auf dem Platz umzusetzen, was der Trainer vorgibt oder was man sich zusammen mit dem Trainer vorgenommen hat. Jedenfalls hatte die zweite Hälfte etwas von einem befreiten Aufspielen. Plötzlich ist wieder ein Euro-League-Platz drin, denn auch wenn Augsburg diesmal gewonnen hat, der Abstand beträgt nur sechs Punkte. Und die vor dem BVB liegenden Hoffenheimer haben nur noch einen Zähler Vorsprung. Die Euro-League ist also eine realistischere Angelegenheit als der Pokal, wo man im Halbfinal Bayern vor der Nase hat, und die lässt z.Z. kein deutscher Schiedsrichter verlieren, nachdem die Bayern-Defensive gegen Porto bewies, dass sie auch kann, was Dortmund schon eine ganze Saison lang zelebriert, nämlich dem Gegner durch grobe Schnitzer Tore schenken. Den Hoffenheimern jedenfalls wurde ein Elfer verweigert, aber am 2:0-Endstand der Bayern hat Hoffenheim selbst schuld, denn wer eine so klare Chance wie Modeste verbaselt und am Ende seine Leistung noch mit einem Eigentor krönt, dem ist nicht mehr zu helfen. Für den BVB jedenfalls war der Bayern-Sieg gut. Denn auch der Abstand nach unten ist im dicht gestaffelten Mittelfeld nicht sehr groß. Platz 13 mit Hertha und Platz 7 mit Hoffenheim trennen nur drei Punkte. Danach aber geht es rapide abwärts. Für Hannover, die mit 4:0 in Leverkusen untergingen, wird die Lage immer prekärer. Und für den VfB und den HSV gehen langsam die Lichter aus.