Die Wahrheit über den 28. Spieltag

In der Liga schon zum 3. Mal, und wenn man das frühe Tor gegen Juve dazuzählt, schon zum 4. Mal, dass Dortmund in dieser Saison sich in den ersten Minuten das erste Tor einfängt. Dem schnellen Direktspiel der Gladbacher sahen die Dortmunder fasziniert zu, und dann rutschte Hummels auch noch im entscheidenden Moment aus. Zur Unfähigkeit kommt auch immer noch Unglück dazu wie beim 3:0 der Gladbacher, als eine Ecke von Ramos Rücken abprallte direkt einem Gladbacher vor die Füße, der nur noch einzuschießen brauchte. Nur beim wunderschönen 2:0, als Patrick Herrmann aus der eigenen Hälfte heraus für alle Dortmunder zu schnell war, alle Grätschen zu spät kamen und Subotic einfach ein paar Meter abgehängt wurde, da war kein Pech dabei, sondern nur Unvermögen. Der Sieg der Gladbacher war souverän herausgespielt und in keiner Phase des Spiels konnte man sich Hoffnung machen. Nur direkt nach der Pause ließ Kagawa zwei riesige Chancen aus und man wusste nicht, ob es technische Mängel waren oder die große Unsicherheit, die sich auf das Spiel der Dortmunder gelegt hat. Auch bei Klopp scheint Ratlosigkeit um sich zu greifen, denn trotz der imposanten Verletztenliste (Reus, Kirch, Piszczek, Sahin) stand keine Notelf auf dem Platz. »Wir waren stets bemüht«, sagte Klopp, und: »Ich glaube nicht, dass das ein Rückfall war. Aber es trotzdem sehr bescheiden.« Und damit hat er auf dem Punkt gebracht, was es mit dem Dortmunder Spiel auf sich hat. Trotz der Energieleistung wie im Pokalspiel gegen Hoffenheim, als Kehl durch einen grandiosen Gewaltschuss in der Nachspielzeit der Siegtreffer gelang, ist das BVB-Spiel geprägt von der Unfähigkeit, eine einigermaßen gut sortierte Abwehr in Bedrängnis zu bringen. Zu statisch und ausrechenbar ist das Spiel geworden. Gündogan verteilt ein bisschen die Bälle, ohne dass dies den Gegner in Schwierigkeiten bringen würde, Mkhitaryan ist bemüht, gewinnt aber keine direkten Zweikämpfe und Kagawa bleibt unauffällig und wirkungslos. Sie spielen sich den Ball in der gegnerischen Hälfte so lange zu, bis sie ihn verlieren und in einen Konter laufen. Und auch wenn Subotic den Wettlauf gegen Herrmann verlor, so machte er jedoch auch viele Konteransätze zunichte. Kein einziges Mal konnte die Schnelligkeit Aubameyangs ausgespielt werden, nur Schmelzer auf der linken Seite machte Druck. Es war wieder eine Lehrstunde, wie sich Spiele gegen Dortmund gewinnen lassen. Schnelles Tor schießen, wenn Dortmund noch schläft, dann aus einer sicheren Abwehr heraus den Gegner alibispielen lassen und sich aufs Kontern verlegen. Natürlich wurde der BVB durch die Weggänge Götzes und Lewandowskys entscheidend geschwächt, ohne die die Bayern weit weniger Punkte hätte und sich wahrscheinlich gerade mit Wolfsburg ein Duell um die Meisterschaft liefern würde, aber das erklärt nicht das Formtief, in dem sich die Dortmunder fast durch die Bank befinden. Jedenfalls muss sich der BVB nach zwei verlorenen Spielen wieder nach unten orientieren und versuchen, Abstand auf die nur sechs Punkte entfernten Abstiegsplätze zu halten. Gegen Paderborn kommt der nächste schwere Brocken, der die Spielweise der Dortmunder durchschaut hat und einen schwer zu knackenden Abwehrriegel aufbauen wird. Und Paderborn ist zur Zeit der Maßstab für die Möglichkeiten Dortmunds. Weiter oben haben sie jedenfalls nichts verloren.