Die Wahrheit über den 27. Spieltag

Immer noch ist das Spiel des BVB gegen Bayern das Attraktivste, das die Bundesliga der Fußballwelt zu bieten hat, obwohl Dortmund auf Platz 10 steht. Das kommt zum einen davon, dass Wolfsburg und Leverkusen die Ausstrahlung von grauen Mäusen haben, und zum anderen, weil der BVB immer noch von seinem Glanz der letzten Jahre zehrt, während nur noch der Mythos übrig und die Zeit vorbei ist, in der Dortmund noch irgendetwas reißt, sieht man von Ausnahmen wie gegen Schalke ab. Obwohl Ribéry und Robben verletzungsbedingt fehlten, war die Hoffnung nicht allzu groß, dass der BVB gegen Bayern gewinnen könnte. Die Routine des Verlierens gegen Favoriten hat sich inzwischen so festgesetzt, dass es selbst gegen Hoffenheim im Pokal schwer sein wird und gegen Gladbach die Chancen ziemlich gering sind. Verwunderlich an dem taktisch vielleicht interessanten, aber nicht sehr attraktiven Spiel, war nur der Respekt, den Guardiola immer noch vor dem BVB hat, denn er stellte seine Mannschaft so defensiv auf, wie das sonst nur Mannschaften tun, die gegen den Abstieg kämpfen. Mit Lahm, Schweinsteiger und Alonso errichtete er einen Abwehriegel schon im Mittelfeld und zerstörte schon im Keim die Kreation Dortmunder Chancen. Sie nutzten damit genau die Schwachstelle im Dortmunder Spiel. Und vorne hatte man Müller und Lewandowski, denen ein gewonnener Zweikampf gegen Hummels reichte, um aus einer Chance ein Tor zu machen. Man machte deshalb Hummels für den Treffer verantwortlich, aber das ist Blödsinn, denn die Dortmunder Abwehr war in Überzahl, hatte durch die schnelle Spielweise nur mal wieder die Orientierung verloren. Vorne hingegen setzte Reus eine Hundertprozentige an das Außennetz. Und genau das war der Unterschied zwischen beiden Mannschaft. Und den Rest besorgte der Schiedsrichter, der einen klaren Elfmeter übersah, als Alonso Aubameyang im Strafraum auf den Fuß trat und den Dortmunder zu Fall brachte. Es hätte also 2:1 für den BVB ausgehen können, aber genau das wäre ungewöhnlich gewesen. Das Schlimmste aber ist, dass dem Spitzenspiel der Bundesliga das Dramatische verloren gegangen ist, das Auf und Ab, die genialen Spielzüge, schnelle Konter, die schönen Tore und das klägliche Scheitern. Das alles ist entschwunden, geblieben sind je eine Chance auf beiden Seiten und eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters. Die Schönheit des Spiels ist inzwischen bei den Gladbachern zu bewundern, die genauso wie die Dortmunder früher die Gegner mit ihrem Pressing und ihren schnellen Kontern überrumpeln. Und Gladbach wird den Dortmundern auch die nächste Niederlage bereiten, denn es ist unwahrscheinlich, dass den Gladbachern wieder so ein kurioses Eigentor wie im Hinspiel unterläuft. Bei Dortmund wird ein großer Schnitt stattfinden. Immobile kann für 15 Millionen gehen, Ramos würde man ebenfalls gerne loswerden, ein Einkauf, den niemand so richtig verstanden hat. An Mkhitaryan hat Juve Interesse, Gündogan hat bereits Kontakt zu Atletico Madrid aufgenommen und Hummels seine Wechselwilligkeit öffentlich kund getan. Dafür kommt eventuell André Ayew von Marseille. Man braucht keine allzugroße Phantasie, um zu bemerken, dass dann auch Marko Reus kaum zu halten sein wird, auch wenn er erst vor kurzem verlängert hat. Sieht so aus, als ob sich der BVB noch einmal völlig neu erfinden müsste.